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Abstillen – wie und wann es gelingt

Die Zeit mit einem Neugeborenen ist voll von einmaligen Neuanfängen … aber auch gespickt mit einigen Abschieden. Einer davon – das Abstillen. Das vertraute Gefühl zwischen Mama und Baby beim Stillen, diese Zeit der innigen Verbundenheit, die nahe Zweisamkeit, ein Ritual, das ganz speziell dir und deinem Nachwuchs gegeben ist. Ob du bereits zufütterst oder voll stillst, ob erst ein paar Monate oder schon recht lange – irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem der Übergang von der Ernährung über deine Muttermilch hin zur Flasche und/oder fester Nahrung wichtig und richtig ist. Aber wann ist der? Und was macht den Wechsel leichter – für dich UND Junior? Nachfolgend dreht sich alles um das Thema Abstillen und vor allem um das Wann und Wie:

Der beste Zeitpunkt zum Abstillen

Eines ist ganz klar: „Den“ richtigen Zeitpunkt kann niemand außer dir bestimmen – und deinem Baby. Richtig muss es sich anfühlen, zu eurem Rhythmus muss es passen, zu euren täglichen äußeren Gegebenheiten und natürlich zu „Angebot und Nachfrage“. Manche Mütter wählen den für sie richtig erscheinenden Zeitpunkt zum Abstillen selbst, manche lassen ihr Kind entscheiden, wann es nicht mehr an die Brust will. Vertrau hierbei so gut es geht auf deine Intuition und die Signale deines Babys. Zur Begriffserklärung: Abgestillt hast du, sobald dein Kind alle erforderlichen Nährstoffe aus Flaschen- oder fester Nahrung bezieht statt aus der Muttermilch.

Trotz allen Still-Genusses ist irgendwann klar – jetzt wird es langsam Zeit für den nächsten Schritt … Flasche, Brei, Obst, Gemüse, feste Nahrung. Bye bye Brust. Ein Abschied, sowohl schmerzhaft als auch befreiend. Ein Übergang, der sicher schwerfällt, aber vor allem für dich auch eine ganz neue Freiheit mit sich bringt. Eine kleine große Unabhängigkeit – jetzt können auch mal Papa, Oma oder der Babysitter füttern und du kannst vielleicht sogar mal wieder eine Nacht durchschlafen? Hach.

Wie lange Mütter ihre Kinder stillen, ist tatsächlich ganz unterschiedlich. Von wenigen Wochen über einige Monate bis hin zu mehreren Jahren ist alles möglich. Je länger gestillt wird, desto enger ist natürlich auch dieses ganz spezielle Band, dass euch da verbindet … und umso schwerer ist es vielleicht irgendwann, dieses wieder zu kappen. Trotzdem: Stillen – wenn es denn klappt – ist zunächst mal ganz großartig, besonders für dein Kind … Stichwort Nährstoffe, gestärktes Immunsystem, Mutter-Kind-Bindung usw.

Vielleicht signalisiert dir dein Kind aber auch irgendwann ganz von alleine, dass es vom Stillen genug hat, indem es immer seltener an die Brust gelegt werden möchte. Du wirst merken, dass deine Milchproduktion dann ganz natürlich zurückgeht. Dein Baby zeigt dir so ganz klar, dass es ab jetzt lieber feste Nahrung zu sich nehmen will. Orientiere dich in diesem Fall gerne am Instinkt deines Kindes und füttere vermehrt Beikost zu.

Experten sowie die Nationale Stillkommission (NSK) empfehlen als Richtwert: Mindestens bis Ende des 4., besser bis zum 6. Lebensmonat sollte eine Kind voll gestillt werden. Auf diese Weise erhält es alle bis dahin erforderlichen und durch die Muttermilch transportierten Nährstoffe, die wichtig sind für das Wachstum, die Entwicklung und die Gesundheit des Kindes. Weitergestillt werden kann bei entsprechender Beikost dann so lange, wie Mutter und Kind es als angenehm empfinden. Spätestens ab dem 7. Lebensmonat kann und soll dann tatsächlich Beikost eingeführt werden.

Abstillen so schnell wie möglich – aber wie?

Obwohl „langsam“ das Zauberwort und einstimmige Experten-Credo beim Abstillen ist und viele Mütter auch gerne noch weiter stillen würden, lassen äußere Umstände dies manchmal nicht zu. Ob Rückkehr an den Arbeitsplatz, zu wenig Milcheinschuss, schwere Krankheit, der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit – es gibt verschiedene Gründe, weshalb es manchmal doch schneller gehen soll als zuvor geplant oder gewünscht mit dem Abstillen. So oder so … nimm dir in diesem Fall wenn irgend möglich ca. 3 Monate Zeit, um deinem Kind diese Übergangsphase zu erleichtern. Nicht vergessen: Für ein Baby ist das Stillen die natürlichste und absolut selbstverständliche Form der Ernährung, es ruft in deinem Baby Glück, Geborgenheit und Sicherheit hervor – ein zu abruptes Abstillen greift in diesen für dein Kind selbstverständlichen Zyklus ein. Es sollte daher (selbst unter Zeitdruck) so sanft und behutsam wie möglich stattfinden.

Falls es nicht anders geht bzw. du gerne so schnell wie möglich abstillen möchtest, ersetze Schritt für Schritt eine Stillmahlzeit nach der anderen durch altersgerechte Ersatznahrung (Milchpulver, z. B. aus der Drogerie). Maximal einmal pro Woche, besser noch alle vier Wochen kannst du auf diese Weise eine weitere Stillmahlzeit substituieren. Am besten eignen sich dazu die Mahlzeiten während des Tages. Morgens nach dem Aufwachen und abends vor dem Schlafengehen ist das Stillen vermutlich sowohl für dich als Mutter, besonders aber für dein Kind, noch sehr angenehm und entspannend – ersetze diese daher, wenn möglich, zum Schluss.

Frühestens ab dem 4., eher ab dem 6. bis 7. Lebensmonat kannst du dann auch andere Beikost zufüttern (selbst kochen oder Gläschen aus der Drogerie). Ein Extra-Tipp: Versuche, deinem Baby vor dem Stillen mittags und nachmittags einige Löffel Brei zu geben, danach kannst du die bisherige Stillzeit immer weiter verkürzen. Schritt für Schritt kannst du dann die zugefütterte (Brei-)Menge erhöhen, bis du die Muttermilch komplett ersetzen kannst durch Brei bzw. feste Nahrung. Ganz wichtig: Keinen Druck aufbauen, also dein Baby nicht zum Essen der noch ungewohnten Nahrung zwingen.

Sobald du drei Stillmahlzeiten durch Brei ersetzt hast, ist es wichtig, deinem Baby zusätzliche Flüssigkeit zu geben. Dies kann stilles Wasser (Zimmertemperatur, nicht aus dem Kühlschrank) oder ungesüßter Tee (nicht heiß!) sein. Generell gilt: Versuche selbst bei einem frühzeitigen Übergang vom Stillen zu anderer Nahrung zumindest bis zum Ende des 1. Lebensjahres deinem Kind noch mindestens einmal am Tag die Brust oder Muttermilchersatz. Die Nähr- und Abwehrstoffe aus der Muttermilch lassen sich eben doch nicht ersetzen und kommen deinem Kind auf vielfache Weise zugute.

Spannend zu wissen: Da das Stillen untrennbar mit „Mama“ verbunden und die Brust in ihrer Nähe doch eigentlich immer „verfügbar“ ist, nimmt dein Kind die Flasche vielleicht einfacher von einer anderen Person, bspw. vom Papa, der Oma oder einer engen Vertrauten.

Sanfte Entwöhnung – so klappt’s

Je langsamer und behutsamer die Entwöhnung von der Brust, desto besser und einfacher ist der Übergang für dein Kind, so zeigt die Erfahrung. Abstillen, das sind zwei Prozesse auf einmal: Die Entwöhnung von der Brust für dein Kind und die Reduzierung der Milchproduktion für dich.

Wie lange die Übergangsphase wirklich dauert, ist von Kind zu Kind verschieden. Manchmal klappt es innerhalb weniger Wochen, manche Mütter berichten von bis zu einem halben Jahr.

Konkrete Tips zur sanften Entwöhnung:

  • Mit dem Kind sprechen: Erzähle deinem Baby während des Stillens vom geplanten Abstillen (auch, wenn das Kind die Worte noch nicht versteht, spürt es die Schwingungen/Energie)
  • Geduld durch Bewusstheit: Stillen ist für dein Kind nicht nur Nahrungsaufnahme, es vermittelt Geborgenheit, Glück und Zufriedenheit
  • Brust nur bei Bedarf: Biete deinem Baby die Brust nur an, wenn es klar danach verlangt (je kürzer dein Kind von selbst an der Brust bleibt, desto deutlicher das Zeichen zum Abstillen)
  • Stufenweises Ersetzen: Lasse probeweise eine Stillmahlzeit aus und beobachte, wie dein Kind dies auf- und annimmt bzw. ersetze die Fütterung mit Flaschen- und/oder Beikost
  • Muttermilch aus der Flasche: Flaschenkost kann auch aus abgepumpter Muttermilch bestehen, so klappt der Übergang zur Ersatznahrung vielleicht noch besser
  • Verkürzte Stilldauer: Lege dein Baby schrittweise ein paar Minuten weniger an (z. B. von 5 auf 3 Min.); nicht satt trinken lassen, lieber gleich nach dem Stillen die Flasche geben oder je nach Alter (ab ca. 6. Monat) Zusatzkost (Brei, zerdrücktes Obst) geben
  • Mahlzeit hinauszögern: Lenke dein Kind mehr und mehr von den bisher normalen Stillzeiten ab (z. B. Stillen erst zum Schlafengehen statt am frühen Abend)
  • Erst Brei, dann Brust: Ist dein Kind mind. 6 Monate alt, biete bei Hunger erst Beikost an, dann die Brust

Bitte bedenken: Falls in eurem alltäglichen Umfeld gerade viel passiert (Kind krank, Umzug, Trennung etc.), kann dies das Abstillen erschweren, da dein Kind sich sowieso schon auf viele Neuerungen einstellen oder mit veränderten Umständen umgehen muss. Versuche euren Alltag für die Abstill-Phase so entspannt und „ereignislos“ wie möglich zu gestalten, vermeide zu viele Unruhe-Faktoren.

Egal, wie lange du dir und deinem Nachwuchs für den Übergang vom Stillen zu fester Nahrung geben möchtest (oder kannst), vergiss nicht, dass das Abgewöhnen vor allem für einen Wechsel von einer Form der liebevollen Fürsorge zu einer anderen steht. Du kümmerst dich nach wie vor gut um dein Kind, du umsorgst es und gibst ihm Liebe, Geborgenheit, Nahrung und alles, was es sonst noch braucht. Wenn du den Raum und die Zeit sowie die Kapazitäten für einen langsamen, behutsamen Wechsel von der Brust zur Flasche zur festen Nahrung hast – nutze ihn und sei dabei aufmerksam gegenüber den Signalen und Bedürfnissen deines Kindes – sowie auch deiner eigenen.