Twitter
Google plus
Facebook
Vimeo
Pinterest
mama werden Kind Baby Neugeborenes

„Die Zeit der kleinen Augen“ – zum ersten Mal Mama werden…

…und was dir keiner darüber sagt

Wenn man zum ersten Mal schwanger wird, geht das meist mit einer riesengroßen Freude einher. Oft hat man sich das Baby sehnsüchtig gewünscht. Oftmals lange herbeigesehnt. Durch Ratgeber und Vorsorgeuntersuchungen beschäftigt man sich schon sehr früh mit seinem Baby und die Liebe, die Aufregung und die Sehnsucht wächst von Tag zu Tag. Und dann kommt der Tag X und die Geburt ist geschafft.

Das Baby ist da… Und nun?

Das Baby liegt neben dir und…was ist das? Von überschwänglichen Gefühlen keine Spur. Du starrst dein Baby an und kannst es nicht fassen, dass es deins ist. Dir tut alles weh von der Geburt. Keiner hat dir gesagt, dass es so kräftezehrend ist. Du bekommst den Milcheinschuss und denkst, während du das Baby mit zusammengebissenen Zähnen anlegst: „Warum hat mir davon keiner erzählt?“ Das Baby neben dir sieht ganz anders aus, als du es dir vorgestellt hast und trotzdem: Es ist dein Baby und du trägst die Verantwortung für dieses kleine Bündel. Du fühlst dich hilflos und überfordert. Du hast Angst, dem kleinen Würmchen die Fingerchen zu brechen, während du versuchst, den kleinen Arm in den Pulloverärmel zu quetschen. Du weißt nicht mehr, wie man wickelt, weil alles so fürchterlich klein ist. Und riechen tut man auch nicht, wenn die Windel voll ist. Woher weiß man also, wann man wickeln muss? Und wann weiß man, dass das Baby genug getrunken hat? Und woher weiß die Frau im Bett neben dir, wie das geht mit dem Stillen? Du traust dich kaum, das kleine Wesen zu berühren. Du fühlst leichte Panik und gleichzeitig bist du unfassbar erschöpft und müde. Dein Leben hat sich gerade um 180 Grad gedreht und du weißt: Aus der Nummer komme ich nicht mehr raus. Das Baby schreit und du musst dich kümmern. Das Baby braucht dich, ob du willst oder nicht. Quarkwickel um nackte Brüste, während deine Bettnachbarin Besuch empfängt? Jede Schamgrenze ist gewichen. Slipeinlagen so groß wie Windeln? Was anderes hat das Krankenhaus gar nicht.

Warum redet darüber niemand? Warum hat dir das niemand vorher gesagt?

Und da ist gleichzeitig dieses beschämende Gefühl, dass dich überkommt. Warum diese negativen Gefühle? Solltest du nicht überschwänglich fröhlich und voller Liebe sein? Warum fühlst du dich gar nicht so verbunden mit dem kleinen Wesen, das eben aus deinem Bauch gekrochen kam? Du hast dich doch so lange darauf gefreut.

Deine Gefühle sind in Ordnung

Und ich sage dir heute, als 3fach Mama: Deine Gefühle sind in Ordnung. Man ist nicht von heute auf morgen Mama. Die Liebe wächst. Ihr müsst euch kennen lernen, eine Beziehung bauen zueinander. Es ist in Ordnung. Starre einfach stundenlang dein Baby an. Schau dir jede Falte, jedes Lächeln und jede sonstige Gefühlsregung an und dann verliebe dich langsam.

Und warum nun, um alles in der Welt, sagt einem das keiner?

Nun, das ist ganz einfach: Spätestens 2 Jahre später haben das alle Mütter (halbwegs) wieder vergessen. Das Leben mit Baby fühlt sich irgendwann ganz normal an. Irgendwann gehört das Baby einfach zur Familie dazu und man passt sich an. Statt Club-hopping gibt es Spielplatz- hopping. Statt chillen im Park, lauwarmes Babywasser im Freizeitbad. Irgendwann weiß man nicht mehr, wie das Leben ohne Kind war. Irgendwann arrangiert man sich mit den schlaflosen Nächten und dem Babygeschrei. Das hört sich schlimmer an als es ist, denn jedes Lächeln des Babys macht alles wieder wett. Jede Entwicklung lässt die Eltern vor Stolz platzen und die Liebe wächst und wächst. Und dann bekommt man ein zweites und ein drittes oder auch viertes Kind.

Die Rolle als Mama

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Spätestens das zweite Kind fühlt sich einfach nur noch wunderbar an. Man hadert nicht mehr mit seinem Schicksal als Mutter. Man ist in der Rolle angekommen. Die Handgriffe sitzen, die Scheu ist verschwunden und man weiß, was einen erwartet. Aber ohne dieses erste Mal, ohne diese Aufregung und all das Neue würde man nie zu der Mutter werden, zu der einen das erste Kind gemacht hat. Es ist und bleibt etwas ganz Besonderes. Ohne diese Erfahrung, würde man nie innerlich wachsen, über sich hinaus wachsen und aneinander wachsen.

Wenn du gerade in dieser Situation bist: Halte inne und nimm die Tage wie sie kommen. Auch die Schlechten gehen wieder vorbei. Es ist die Zeit der kleinen Augen, der Schlaflosigkeit und ein absoluter Ausnahmezustand. Aber auch der geht vorbei.

Priska ist dreifache Mama, Theologin, freie Redakteurin und Bloggerin von www.mamalismus.com.