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Ein Geschwisterchen kommt: Wie sag‘ ich’s meinem Kind

Du selbst bist voller Vorfreude, genauso dein Partner: Du bist wieder schwanger, ein Geschwisterchen für dein Erstgeborenes lässt eure kleine Familie weiter wachsen. Was du bei aller selbstverständlicher Vorfreude nicht vergessen darfst: Auch im Köpfchen deines ersten Kindes lösen die „guten Nachrichten“ eine ganze Reihe von Emotionen aus. Begeisterung ist da meist nur eine von vielen. Hier kommt etwas Strategie ins Spiel und zum Glück gibt es diverse Wege und Kniffe, wie man Kindern die Ankunft eines neuen Geschwisterchens schmackhaft machen kann.

Verschiedene Altersgruppen, unterschiedliche Ansätze

Egal, wie alt dein Kind ist, wenn eine erneute Schwangerschaft ins Haus steht – dein Nachwuchs wird einen ganzen Regenbogen an Gefühlen bzgl. der Neuigkeiten durchleben. Angst, Unsicherheit und Ablehnung – alles kann dabei sein. Anstrengend für dich? Vielleicht auch, vergiss darüber aber nie, dich vor allem in dein Kind hineinzuversetzen. Bisher hatte es dich für sich alleine, bekam deine volle Aufmerksamkeit – und plötzlich wächst Mamas Bauch und da soll ein neuer Mensch drin sein, der immer mehr in den Mittelpunkt rückt und dann auch noch bei euch wohnt?

Die Neuigkeit über erneuten Nachwuchs nehmen Kinder ganz unterschiedlich auf. Das hängt auch mit deren momentanem Alter bzw. derzeitigen Entwicklungsstufe zusammen. Ein Kleinkind von ein bis drei Jahren nimmt eine solche Tatsache ganz anders auf als ein Kindergarten-, Vorschul- oder Schulkind. Ein- bis Zweijährige haben z. B. erst so wenig Zeitgefühl, dass du sogar bis wenige Wochen vor der Geburt warten kannst zu erzählen, dass bald ein Geschwisterkind da sein wird. Auch das Verständnis für Zusammenhänge und was es wohl bedeuten wird, wenn plötzlich noch ein Baby im Haus ist, dem Mama (und Papa) dann sehr viel Aufmerksamkeit schenken, unterscheidet sich stark je nach Alter.

Ist dein Erstgeborenes gerade erst aus dem Babyalter raus? Dann braucht es nach wie vor eine Menge Aufmerksamkeit und Fürsorge. Egal, wie hibbelig und aufgeregt du gerade bist, schenke deinem Junior daher genauso viel Fokus und Liebe wie deinem wachsenden Bauch. Je jünger dein erstes Kind ist, desto weniger versteht es, was ein neues Geschwisterchen bedeuten wird – für das Kind direkt vor deiner Nase zählt in dieser Phase vor allem eines: Mama.

Je älter dein Nachwuchs bei der Verkündung einer neuen Schwangerschaft ist, desto einfacher wird zumindest die Kommunikation. Erklären, dass bald eine Schwester oder ein Bruder in die Familie kommt, kannst du jetzt etwas leichter und verständlicher. Aber Akzeptanz? Vorfreude? Begeisterung? Dafür gibt’s keine Garantie, zumindest nicht gleich am Anfang. Hier sind Geduld und immer wieder klare Signale von deiner Seite gefragt, die deinem Kind zeigen: Es steht nach wie vor auch im Mittelpunkt, es wird geliebt und daran wird sich auch nichts ändern.

Wichtig: Es gilt jetzt vor allem, die Aufmerksamkeits-Waage zu halten – zwischen deinem älteren Kind und dir selbst bzw. deiner Schwangerschaft. Da bedarf es einerseits bewusster, sensibler und beständiger Interaktion mit deinem Erstgeborenen. Die zweite Schwangerschaft soll und darf aber vor lauter Routine und Kümmern um Junior auch nicht hintenüberfallen. Bewusste Auszeiten, Gymnastik, Pausen – es gibt vieles, was dir und deinem heranwachsenden Baby jetzt gut tut.

Unser Tipp: Nimm (alleine oder mit deinem Partner) nochmal an einem Geburtsvorbereitungskurs teil (z. B. kompakt an einem WE). Nicht unbedingt, weil du wichtige Infos vergessen haben könntest, sondern um so einen ganz konkreten Zeitraum ausschließlich dem heranwachsenden Baby zu widmen und damit Bewusstsein und Raum zu schaffen für die Schwangerschaft und das, was kommt (außerhalb des regulären Alltags).

Begeisterung schaffen – den Nachwuchs auf das Baby vorbereiten

Allen voran – mach es nicht zu kompliziert, wenn du deinem Kind erzählst, dass du schwanger bist. Erkläre – wenn dein Kind noch relativ klein ist – in wenigen und einfachen Worten, dass du ein Baby in deinem Bauch hast, es in einigen Monaten bei euch sein wird und dein Kind dann ein großer Bruder/eine große Schwester ist. Auch zu Vorsorgeuntersuchungen kannst du deinen Nachwuchs natürlich mitnehmen – je nach Alter wird alles dann gleich ein bisschen realer und greifbarer.

Ganz wichtig während der gemeinsamen Vorbereitung auf ein neues Baby in der Familie: Sei offen und feinfühlig für alle Fragen deines Kindes zum anstehenden Nachwuchs. Und: ehrlich bleiben – das Baby wird erst mal über längere Zeit oft weinen/schreien, muss viel gefüttert werden und hat häufig die Windeln voll … also erst mal kein neuer Spielgefährte für das ältere Kind. So könnt ihr euch als Familie dem neuen Baby nähern:

In der Schwangerschaft

Bücher lesen: Lest gemeinsam altersgerechte Bücher zum Thema „Neues Geschwisterkind“, so nähert ihr euch dem Thema auf anschauliche und verständliche Weise.

Babyfotos ansehen: Schau dir mit deinem Kind seine eigenen Babyfotos an; sprich darüber, wie klein es selbst mal war, dass es damals auch viel Aufmerksamkeit, Geschenke und Kuscheleinheiten bekam. Frag‘ dein Kind nach seinen Erinnerungen und Gefühlen, erkläre dann, dass jetzt bald ein „weiteres“ Baby bei euch sein wird.

„Baby spielen“: Egal ob Mädchen oder Junge, Kinder spielen intuitiv oft mit Puppen – dabei imitieren sie Erwachsene mit Babys, die sie beobachten. Nutze dieses Spiel – die Puppe steht dann für das neue Geschwisterkind, so übt sich die große Schwester/der große Bruder schon mal in Fürsorge.

Gleichheit betonen: Mach deinem Nachwuchs klar, dass beide Kinder gleichermaßen geliebt werden, dein Ältestes behält natürlich den Stellenwert, den es in der Familie/für dich (und Papa) schon hat.

Liebe häufig aussprechen und zeigen: Sage und zeige deinem Kind oft und überzeugend, dass du es liebst, wie viel es dir bedeutet und wie froh du bist, es in deinem Leben zu haben.

Freunde und Verwandte einbeziehen: Sensibilisiere dein soziales Umfeld und sprich vor deinem Kind mit anderen (telefonisch o. persönlich) nicht zu viel oder ausschließlich über Schwangerschaft/Baby.

„Faire“ Geschenke: Wenn Besucher Geschenke für das Baby mitbringen möchten (vor/nach der Geburt), bitte sie evtl. vorher, auch eine Kleinigkeit für das ältere Geschwisterkind dabei zu haben (sonst das Baby-Geschenk eher heimlich/ohne viel Aufmerksamkeit/nicht vor deinem Älteren überreichen lassen).

Vorteile aufzeigen: Erkläre deinem Nachwuchs, dass es bald großer Bruder/große Schwester ist (z. B. Beschützer, Verantwortung, Mama helfen, mehr dürfen).

Zeit zu zweit genießen: Nimm dir, bevor das Baby kommt, so viel Zeit wie möglich mit deinem Erstgeborenen – bald wird die wertvolle „quality time“ zu zweit sehr rar sein.

Papa einbeziehen: Mit allem (Arbeitsteilung!), was nach der Geburt hauptsächlich der Papa mit dem älteren Kind macht (in Kindergarten/Schule bringen, Brote schmieren, vorlesen etc.), darf er ruhig jetzt schon anfangen, so fällt die Umgewöhnung später leichter.

Nach der Geburt

Erste Begegnung: Bewerte die erste Begegnung nicht über; zeige deinem älteren Kind in diesem Moment vor allem deine Nähe, nimm es in den Arm, führe es entspannt/langsam an das Baby heran.

Loben: Lobe dein Kind, wenn es sich besonders liebevoll mit dem Baby beschäftigt, rücksichtsvoll ist oder dir z. B. beim Wickeln „hilft“.

Miteinbeziehen: Lass das ältere Kind helfen beim Wickeln, Füttern, Kleidung aussuchen etc. – so fühlt es sich gebraucht, gesehen und ernst genommen.

Perspektivwechsel: Erkläre deinem größeren Kind, dass das Baby es sehr lieb hat, auch, wenn es das noch nicht sagen/zeigen kann und dass das Baby ihm z. B. beim Spielen zusieht.

Selbst nochmal Baby sein: Lass das große Geschwisterkind auch mal wieder Baby sein, wenn es möchte (z. B. im Arm geschaukelt, gefüttert/ins Bett gebracht werden).

Eifersucht vor und nach der Geburt auf das Geschwisterchen

Dein Kind darf fühlen – alle Gefühle, die da jetzt hochkommen. Soll und muss es auch – und dabei ist es deine Aufgabe, diese Gefühle wahr- und ernst zu nehmen und ihnen Raum zu geben. Das gilt für die Zeit der Verkündung der Neuigkeiten, während der Schwangerschaft und genauso nach der Geburt. Emotionen bei Junior können z. B. sein: dich nicht ansehen (ignorieren) oder das Baby nicht sehen wollen oder es ärgern. Gerade, wenn Wut, Eifersucht und Ablehnung im kleinen Kinderherzen hochkochen, bist du als Mama gefragt:

Verständnis zeigen: Sprich mit deinem Kind, zeige ihm, dass du seine Gefühle respektierst und es damit nicht alleine dasteht (z. B.: „Auch anderen Kindern geht es so wie dir, wenn sie ein Geschwisterchen bekommen.“)

Liebe versichern: Sage und zeige deinem Erstgeborenen (immer, aber vor allem) nach der Geburt des Babys oft und nachdrücklich, wie sehr du es liebst und dass es nicht zurücksteht hinter dem Baby (z. B.: „Mamas Herz ist gewachsen und hat nun Platz für euch beide, ich liebe dich immer noch genauso sehr und das wird sich nie ändern.“)

Exklusiv-Zeit mit Mama: Nimm dir jeden Tag etwas Zeit nur für dein älteres Kind – das Baby erhält (logischerweise) gerade am Anfang so viel absolute Aufmerksamkeit, dass du diese ausbalancieren musst mit ganz klaren Zeitfenstern nur für dich und das ältere Geschwisterkind.

Grenzen liebevoll & bestimmt aufzeigen: Will dein Kind das Baby zwicken, schlagen oder treten (vielleicht aus einem Wutanfall heraus, weil es sich vernachlässigt fühlt), sage ganz klar, dass solch ein Verhalten verboten ist und dies dem Baby weh tut. Frage dein Kind aufmerksam, warum es sich so verhält, was es gerade fühlt und gib‘ ihm etwas zum Dampf ablassen (bspw. in ein Kissen boxen).

Neue Bezugspersonen: Binde Papa, Paten, Großeltern, langjährige Babysitter oder sehr enge Freunde verstärkt ein, so dass dein Kind genug vertraute Anlaufstellen und ausreichend Aufmerksamkeit hat, sobald das Baby für eine Weile sehr in den Fokus rückt.

Die Balance halten – Aufmerksamkeit & Stabilität für dein Kind plus Vorfreude auf das Baby

Besonders dem Punkt Aufmerksamkeit (die der Eltern gegenüber dem neuen Baby) solltest du jetzt vermehrt … ja genau, Aufmerksamkeit schenken – und zwar, was dein älteres Kind angeht. Gerade, wenn du dein zweites Kind relativ kurz nach dem ersten bekommst, hast du mit deinem Erstgeborenen ein Kleinkind vor dir, dass selbst gerade erst aus dem Babyalter heraus ist. Vielleicht hast du vor kurzem erst abgestillt und dein Kind verbringt noch die meiste Zeit des Tages bei dir (evtl. keine Krippe oder nur stundenweise)? Umso mehr darf jetzt kein abruptes Umschwenken deiner Aufmerksamkeit stattfinden, bei dem dein Kind denken oder fühlen könnte, dass es jetzt zurückstecken muss.

Auch wichtig: Vor allem kleine Kinder bis ca. 3 Jahre brauchen noch viel Stabilität, Routine und Rituale, um sich wohl und sicher zu fühlen. Das heißt konkret: Klare Fixpunkte etablieren bzw. beibehalten (Mahlzeiten, Spielzeit, Kuschelrunde etc.) und nicht zu viele Veränderungen auf einmal – also am besten nicht zeitgleich um die Geburt herum umziehen, mit dem Kindergarten anfangen oder diesen wechseln etc. Alles in allem: Versuche eine ausgewogene Mischung aus bewusstem Fokus und Empathie sowie natürlichem Mutterinstinkt bzw. deiner ganz eigenen Intuition für dein älteres Kind zu etablieren – schlussendlich wird sich die ganze Familie erst mal ganz in Ruhe und ohne Druck eingrooven müssen auf den Neuankömmling.

Buchtipps zur Vorbereitung (für das ältere Geschwisterkind):

  • „Meine Mama nur für mich“, Uta Charlotte Stern
  • „Wer wohnt denn da in Mamas Bauch?“, Lars Daneskov, Klett Kinderbuch Verlag
  • „Ein Geschwisterchen für Pauli“, Brigitte Weninger, Nordsüd Verlag