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Elternzeit von A bis Z: Was Eltern unbedingt wissen sollten

Noch arbeitest du in deinem regulären Job, aber schon bald beginnt der Mutterschutz. Gut so, denn gerade in den letzten Wochen vor der Geburt deines Kindes bist du vermutlich etwas aufgeregter und eventuell noch etwas müder als sowieso schon und freust dich auf eine willkommene Auszeit vor dem großen Tag. Hier noch ein bisschen vorbereiten, da noch etwas Nestbau, ausruhen, Kraft tanken, vorfreuen. Doch was passiert nach der Geburt im Hinblick auf deine Arbeitsstelle? Du hast einen Partner? Wie sieht es bei ihm aus mit dem Job und zu Hause bleiben? Wie lange kannst du dir eine Auszeit nehmen, um dich voll und ganz auf dein Baby zu konzentrieren? Rund ums Thema Elternzeit gibt es nachfolgend Infos, Tipps und Starthilfe, um das Ganze schon jetzt ins Rollen zu bringen.

Was genau ist die Elternzeit?

Wie du vielleicht schon weißt, geht es bei der Elternzeit um die Phase nach der Geburt deines Kindes, in der du deinem Job fernbleiben und dich zu Hause komplett um dein Baby kümmern kannst. Die Elternzeit ist ein gesetzlich geregelter Anspruch für dich (und ggf. deinen Partner) gegenüber dem jeweiligen Arbeitgeber auf unentgeltliche Freistellung, d. h. du erhältst in dieser Zeit kein Gehalt.

So gibt es zum Thema Elternzeit konkrete Gesetze, die diesen Zeitraum regeln. Laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat jeder Elternteil Anspruch auf Elternzeit zur Betreuung und Erziehung seines Kindes und zwar so lange, bis dieses das dritte Lebensjahr vollendet hat. Die Elternzeit gilt also für dich als Erwerbstätige (Arbeitnehmer), dabei bleibt dein Arbeitsplatz während dieser Zeit erhalten, du hast also Anspruch auf eine Rückkehr zu deiner früheren Arbeitszeit.

Wer kann die Elternzeit in Anspruch nehmen?

Den Zeitraum für die Elternzeit zu berechnen bedeutet konkret für dich, dir zu überlegen, wann und wie lange du mit deinem Kind zu Hause bleiben und es dort versorgen möchtest. Wenn du dein Kind in einer Partnerschaft großziehst, ist das Thema Elternzeit natürlich auch für den Vater wichtig. Falls ihr beide erwerbstätig seid, könnt ihr frei über die individuelle Dauer der Elternzeit entscheiden. Die Regelung zur Elternzeit für Kinder, die seit dem 01. Juli 2015 geboren wurden, beinhaltet folgendes: Ihr könnt auch gleichzeitig bis zu drei Jahre Elternzeit in Anspruch nehmen. Sowohl du als auch dein Partner könnt die Elternzeit auch jeweils in drei Zeitabschnitte (früher zwei Abschnitte) aufteilen. Einzige Ausnahme: Falls dringende betriebliche Gründe vorliegen, kann der Arbeitgeber den dritten Elternzeit-Abschnitt („flexible“ Phase zw. 3. und 9. Geburtstag des Kindes) ablehnen. Unterteilungen der Elternzeit in mehr als 3 Abschnitte benötigen grundsätzlich der Zustimmung des Arbeitgebers.

Die Elternzeit lässt sich (mit Zustimmung des Arbeitgebers) auch flexibel gestalten – so können hier bis zu 24 Monate der Elternzeit (früher 12 Monate) auch nach dem 3. Geburtstag bis zum Ende des 8. Lebensjahres deines Kindes genommen werden … gerade für die Zeit des ersten Schuljahres vielleicht eine gute Möglichkeit, dein Kind in dieser Um- und Eingewöhnungsphase eines neuen Lebensabschnittes noch besser unterstützen zu können.

Auf den Punkt gebracht habt ihr nach § 15 Abs. 1 des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes (BEEG) als Eltern Anspruch auf Elternzeit, wenn ihr folgende Kriterien erfüllt:

  • Ihr lebt mit eurem Kind in einem Haushalt,
  • ihr betreut und erzieht euer Kind selbst und
  • ihr arbeitet jeweils während der Elternzeit 30 Wochenstunden (Monatsdurchschnitt)

Für Selbstständige und Gewerbetreibende gilt: Sie tragen selbst die Verantwortung für die gewünschte bzw. erforderliche Auszeit nach der Geburt eines Kindes. Auf Grundlage einer Arbeitszeitreduzierung auf höchstens 30 h/Woche nach der Geburt dürfen aber auch sie Elterngeld beantragen.

Elterngeld – wie ist das Finanzielle geregelt?

Wichtig zu wissen: Elternzeit und Elterngeld sind zwei verschiedene Leistungen, für die auch unterschiedliche Stellen zuständig sind. Die Elternzeit ist immer unentgeltlich von Seiten des Arbeitgebers, es gibt in dieser Zeit also keinerlei Lohnfortzahlung. Die logische Schlussfolgerung: Weniger arbeiten im Rahmen der Elternzeit bedeutet auch weniger Einkommen. Eine Möglichkeit, eure finanzielle Stabilität auch während der Elternzeit zu erhalten, ist bspw. die Teilerwerbstätigkeit (siehe auch nachfolgend im Kapitel Elternzeit und Teilerwerbstätigkeit.)

Falls das für dich nicht in Frage kommt, können Elterngeld bzw. ElterngeldPlus einen möglichen Einkommenseinbruch nach der Geburt reduzieren. Ausgezahlt wird das Elterngeld von staatlichen Elterngeldstellen. Elternzeit und Elterngeld stehen dabei in einer untrennbaren Wechselbeziehung, du hast also nur dann Anspruch auf Elterngeld, wenn du (und ggf. dein Partner) deine Arbeitszeit zugunsten der Elternzeit auf max. 30 Wochenstunden reduzierst. Die Zahlung beim Elterngeld richtet sich nach den Lebensmonaten deines Kindes.

Elterngeld (Basis-Elterngeld):

  • Erhältlich für Arbeitnehmer, Beamte, Selbstständige, Hausfrauen/Hausmänner
  • Beziehbar ab der Geburt des Kindes für bis zu 14 Monate (Zeitraum frei aufteilbar zw. Eltern bzw. für Alleinerziehende voll gültig)
  • Bei Bezug durch nur ein Elternteil – Anspruch für 12 Monate (2 Extramonate nur, wenn „Partnermonate“ genutzt werden)
  • Ersatz des wegfallenden Einkommens zu 65-100 %, je nach Einkommen
  • Höhe Elterngeld: mind. 300 Euro, max. 1.800 Euro monatlich

ElterngeldPlus (nur für nach dem 30. Juni 2015 geborene Kinder):

  • Gedacht v.a. für Eltern, die nach der Geburt zeitnah in Teilzeit arbeiten möchten (noch während Elterngeld-Anspruch besteht)
  • Ersatz des wegfallenden Einkommens zu 65-100 %, je nach Einkommen
  • Höhe ElterngeldPlus: die Hälfte des normalen Elterngeld-Betrags, der den Eltern ohne Teilzeiteinkommen gezahlt werden würde (dafür Zahlung länger als 14 Monate möglich)
  • Längere Bezugsdauer (aus jedem Basis-Elterngeld-Monat werden zwei ElterngeldPlus-Monate)
  • Partnerschaftsbonus oder Zusatzförderung für Alleinerziehende möglich
  • ElterngeldPlus statt Elterngeld möglich (ohne Teilzeitarbeit), Bezugshöhe dann Hälfte des Basis-Elterngeldes für doppelt so langen Zeitraum

Für die Beantragung von Elterngeld und ElterngeldPlus gelten ebenso wie für die Elternzeit Fristen, der Antrag muss schriftlich eingereicht werden. Beim Portal Familien-Wegweiser des BMFSFJ erhältst du konkrete und praktische Tipps zum Thema Elternzeit berechnen bzw. allgemein zur Elternzeit und Stellen, die beim Antrag helfen. Vor allem findest du hier aber auch alles rund ums Thema Elterngeld und ElterngeldPlus (Elterngeldrechner etc.).

Elternzeit und Teilerwerbstätigkeit

Arbeiten während der Elternzeit – auch das geht. Hier gilt: Selbst, wenn der reguläre Vollzeitjob während der Elternzeit ruht, ist eine Erwerbstätigkeit in Teilzeit (bis zu 30 Wochenstunden) möglich. Hier mal eine Urlaubsvertretung, da eine kurzfristige Vertretungszeit … so bleibst du auch in den Monaten, in denen du dich hauptsächlich um dein Baby kümmerst, im Job am Ball und „up to date“.

Falls beide Elternteile gleichzeitig in Elternzeit sind, könnt ihr somit zusammen bis zu 60 Wochenstunden (30 + 30) erwerbstätig sein. So könnt ihr euer Familieneinkommen zumindest zu einem gewissen Anteil sichern. Offensichtliche Vorteile für viele junge Eltern:

  • Ihr könnt euch beide um euer Kind kümmern,
  • es kommt etwas mehr Geld herein,
  • die Stunden am Arbeitsplatz sind ein guter Ausgleich zum Familienleben mit Kleinkind und
  • auch der Arbeitgeber freut sich bestimmt, wenn ihm deine bzw. die Expertise deines Partners zumindest stundenweise auch während der Elternzeit erhalten bleibt.

Falls du und/oder dein Partner eine Teilzeitbeschäftigung für die Zeit der ersten 3 Lebensjahre deines Kindes beantragen, gilt: Dein Antrag gilt als genehmigt, wenn der Arbeitgeber diesen nicht innerhalb von vier Wochen nach Antrags-Eingang ablehnt (Zeitraum: Geburt bis 3. Geburtstag des Kindes). Acht Wochen beträgt die Ablehnungsfrist bzgl. eines Teilzeit-Antrags für die Zeit zw. 3. Geburtstag und Ende 8. Lebensjahres. Beide Male ist die Ablehnung nur zulässig in schriftlicher Form und nur aufgrund dringender betrieblicher Gründe.

Wenn dein Betrieb – oder der deines Partner – mehr als 15 Mitarbeiter zählt, besteht auch ein Rechtsanspruch auf eine Verringerung der Arbeitszeit in Elternzeit im Rahmen von 15 bis 30 Wochenstunden (Ausnahme: dringende betriebliche Gründe). Falls Elternteil und Arbeitgeber sich einig sind, kann auch außerhalb dieses Rechtsanspruches eine Arbeitszeit von weniger als 15 Wochenstunden vereinbart werden. Aufgepasst: In diesem Fall besteht für dich nach Ende der Elternzeit kein Anspruch auf die Rückkehr zu deiner ursprünglichen Arbeitszeit. Auch diesen Punkt solltest du deshalb vorab mit deinem Arbeitgeber klären, falls die Option der Verringerung der Arbeitszeit für dich in Frage kommt.

Auch in Sachen Kündigung gibt es klare Vorgaben: Ab dem Zeitpunkt der Anmeldung zur Elternzeit (bzw. frühestens acht Wochen vor Beginn) sowie während der gesamten Elternzeit darf dein Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis nicht kündigen (Ausnahme: besondere Einzelfälle). Nicht vergessen: Der Kündigungsschutz endet in jedem Fall mit Ablauf der Elternzeit. Und: Für die flexible Elternzeit zw. 3. Geburtstag und Vollendung 8. Lebensjahres besteht der Kündigungsschutz frühestens 14 Wochen vor dem Beginn der Elternzeit.

Eine weitere Möglichkeit gibt es zum Thema Mutterschutz: Du kannst deine zuvor angemeldete Elternzeit auch vorzeitig und ohne Zustimmung deines Arbeitgebers beenden, falls du stattdessen die gesetzlichen Mutterschutzfristen (nach § 3 Absatz 2 und § 6 Absatz 1 Mutterschutzgesetz sowie die damit verbundenen Rechte) wahrnehmen willst. Fair gegenüber deinem Arbeitgeber ist es hier auf jeden Fall, diesen rechtzeitig und mit etwas Vorlauf über die Beendigung der Elternzeit zu informieren.

Tipp: Halte während deiner Elternzeit den Kontakt zu Chef und Kollegen am Arbeitsplatz aufrecht … ab und zu ein Anruf oder ein kurzer Besuch setzen garantiert positive Zeichen. Vor allem, wenn du fest vorhast, nach der Elternzeit wieder in deinen bisherigen Job einzusteigen, erkennen deine Vorgesetzten anhand dieser kleinen Gesten dein Interesse an deiner Tätigkeit. Durch kleine Updates unter Kollegen bleibst du immer am Ball, so fällt der Wiedereinstieg in den Berufsalltag nach längerer Zeit zu Hause leichter. Auch zeitlich überschaubare, firmeninterne Schulungen und Fortbildungen oder ein Volkshochschulkurs und sogar ein Fernstudium zur Weiterbildung und Wissensaneignung- oder Vertiefung passen vielleicht gut in die Elternzeit.

Schritt für Schritt zur Elternzeit

Der Antrag: Plane bitte mindestens 7 Wochen Vorlaufzeit ein, um deinen Arbeitgeber auf die von dir gewünschte Elternzeit vorzubereiten. Diese Frist muss eingehalten werden, um die Elternzeit in schriftlicher Form vom Arbeitgeber einzufordern. Bei der erstmaligen Anmeldung musst du dich dabei festlegen, für welche Zeiträume innerhalb der kommenden 2 Jahre du die Elternzeit nehmen möchtest, gleiches gilt für deinen Partner. Wenn du sie von vornherein nur bis zum Ende des 1. Lebensjahres deines Kindes beantragst, verzichtest du dementsprechend auf den Anspruch für die Zeit des 2. Lebensjahres. Für die sogenannte flexible Elternzeit (3. Geburtstag bis Ende 8. Lebensjahr) plane bitte 13 Wochen für die Anmeldefrist ein.

Wichtig: Wenn du deine Elternzeit direkt nach Ende des Mutterschutzes beginnen willst oder im Anschluss an einen Urlaub nach der Mutterschutzfrist, musst du dich nur bis zur Vollendung des 2. Lebensjahres deines Kindes festlegen.

Es gibt kein offizielles Antragsformular für die Elternzeit – es reicht, die Mitteilung an den Arbeitgeber fristgerecht, schriftlich und formlos einzureichen. Zusammengefasst gilt bzgl. der Fristen:

  • Antrag auf Elternzeit innerhalb der ersten 3 Lebensjahre des Kindes -> Anmeldung spätestens 7 Wochen (aber nicht früher als 8 Wochen) vor dem gewünschten Elternzeit-Beginn
  • Antrag auf Elternzeit nach dem 3. Geburtstag (bis Ende 8. Lebensjahr) des Kindes -> Anmeldung spätestens 13 Wochen (aber nicht früher als 14 Wochen) im Voraus

Wie du siehst, ist das Thema Elternzeit (und Elterngeld) ein sehr umfangreiches Feld, in dem es – wie in vielen gesetzlich geregelten Bereichen – diverse Einzel- und Sonderfälle und weitreichende Details gibt. Erkundige dich daher bzgl. deiner individuellen Situation am besten so früh wie möglich beim für dich zuständigen Amt nach allen Voraussetzungen, die es zu erfüllen gilt, um die Elternzeit fristgerecht anzumelden und den Elterngeld-Antrag stressfrei und vollständig einreichen zu können.