Twitter
Google plus
Facebook
Vimeo
Pinterest
Gesundheit Tipps Vorteile Nachteile Entbindung

Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?

Der Trend ist vielerorts erkennbar, etliche Prominente machen es vor und immer mehr Frauen im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis scheinen dem Beispiel zu folgen: Der Wunschkaiserschnitt erobert die Terminkalender vielbeschäftigter Schwangerer, die mit beiden Beinen fest im (Arbeits-)Alltag stehen und ungerne etwas dem Zufall überlassen. Da passt es doch prima, wenn selbst die Geburt des eigenen Kindes planbar ist. Auch fallen doch dann die Schmerzen sehr viel geringer aus. Oder?

2015 waren bereits über 30 % der Entbindungen in deutschen Kliniken Kaiserschnitte – Tendenz steigend. Damit liegt Deutschland deutlich über der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Kaiserschnittrate. Die Geburtsform hat offensichtlich ihre Vorteile – aber dementsprechend auch Nachteile? Auch gibt es ja noch den Kaiserschnitt aus medizinisch notwendigen Gründen. Dieser ist auch für den Deutschen Hebammenverband nach wie vor das einzige Argument, weshalb diese OP durchgeführt werden sollte. Auf der anderen Seite steht nach wie vor die natürliche Geburt. Überlegst auch du dir bereits, wie du dein Kind auf die Welt bringen möchtest? Kaiserschnitt oder natürliche Geburt? Argumente, Gedanken, Infos stellen wir hier für dich zusammen – zum Abwägen, überlegen, wirken lassen:

Der Wunschkaiserschnitt ist klar im Kommen

Bitte nicht verwechseln: Der sogenannte Wunschkaiserschnitt wird – wie der Name schon sagt – auf persönlichen Wunsch der Mutter durchgeführt, also ohne vorherige medizinische Notwendigkeit. Der geplante Kaiserschnitt dagegen wird terminlich zwar auch schon vorab festgelegt, findet aber aus medizinischen Gründen statt (z. B. hohes Gewicht des Kindes, Beckenendlage, Mehrlingsgeburt etc.). Spannend: Auch hier ist ein Kaiserschnitt zwar häufig eine Option, aber selbst dann nicht immer zwingend notwendig.

In unzähligen Online-Foren argumentieren Kaiserschnitt-Verfechterinnen vor allem mit dem Vorteil, dass ein Kaiserschnitt im Vergleich zur natürlichen Geburt keine Schmerzen für die Mutter bedeute, das Thema Angst bzw. Anspannung und Ungewissheit kann also entspannt ausgeklammert werden. Die Option eines Wunschkaiserschnitts nehmen demnach scheinbar immer mehr Schwangere – schon aufgrund der Aussicht auf die nicht abschätzbaren Geburtsschmerzen beim natürlichen Gebären – dankend an. Terminlich vorab planbar, der Eingriff zwar eine offensichtliche Bauch-OP, aber inzwischen ein absoluter Routineeingriff, praktisch keine Komplikationen. Ein Portal bringt jedoch die Frage auf den Punkt: Ist der Kaiserschnitt auf Wunsch ein „Verrat an der Natur“ oder etwa doch eine „risikoarme“ Alternative? Die Meinungen gehen weit auseinander.

Was die Prozedur an sich angeht, kannst du dir den Wunschkaiserschnitt-Ablauf so vorstellen:

Ungefähr in der 38. bis 39. Schwangerschaftswoche werden der geplante Kaiserschnitt bzw. der Wunschkaiserschnitt durchgeführt. Dein Partner bzw. eine Begleitperson kann im Normalfall direkt mit anwesend sein. Mit einer örtlichen Betäubung (bspw. Peridural- oder Spinalanästhesie) wirst du auf den Eingriff vorbereitet – das heißt, du bist die ganze Zeit wach und kannst die Geburt hinter einem Tuch miterleben und dein Kind im Idealfall sogar gleich sehen bzw. in den Arm nehmen. Heutzutage vor allem in Deutschland und der Schweiz selbstverständlich: der „sanfte Kaiserschnitt“. Dabei wird die Gebärmutter nicht aufgeschnitten, sondern durch Reißen und Dehnen nur so weit geöffnet wie nötig, was im Nachhinein für eine bessere Wundheilung sorgt, da nach der Geburt nur bestimmte Gewebsschichten vernäht werden müssen (Misgav-Ladach-Methode).

Falls ein Wunschkaiserschnitt für dich in Frage kommt, klärst du alle weiteren Details der Vorbereitung und genauen Durchführung der OP am besten mit deinem Frauenarzt bzw. beim Vorgespräch im Krankenhaus. Erkundige dich bitte auch rechtzeitig bei deiner Krankenkasse bzgl. der Kosten – in den meisten Fällen übernehmen die Kassen diese nämlich nicht (nur beim geplanten oder spontanen medizinisch notwendigen Kaiserschnitt). Das heißt also, du müsstest höchstwahrscheinlich selbst für die OP-Kosten aufkommen.

Der medizinisch notwendige Kaiserschnitt

Besonders bei verzögerten Geburten, bei denen irgendwann „nichts mehr vorwärts geht“, wird – in ca. 40 Prozent der Fälle (v. a. bei Erstgebärenden) – ein ungeplanter, also medizinisch notwendiger Kaiserschnitt durchgeführt, um das Baby auf die Welt zu holen. Langwierige Komplikationen und ernstzunehmende Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter und Kind sollen und können auf diese Weise verhindert werden.

Diverse Forschungsberichte besagen zudem, dass manche Frauen z. B. aufgrund von Diabetes oder Übergewicht nur sehr schwache Wehen haben, hier schlagen reguläre Wehen fördernde Mittel nicht wirklich an, die Geburt kann ins Stocken geraten. In diesen Fällen kann ein Kaiserschnitt der beste Weg sein, um bspw. Beckenbodenschäden und andere Risiken für Mutter und Kind zu vermeiden.

Wenn also bereits im Vorfeld feststeht, dass bestimmte körperliche Voraussetzungen bei der Mutter Komplikationen vermuten lassen oder bei Geburten, die eben nicht absolut unproblematisch verlaufen, ist ein im Voraus festgelegter oder im Kreissaal spontan entschiedener Kaiserschnitt sicher eine gute Lösung.

Die natürliche Geburt

Vollkommen autark ohne jegliche Hilfe von außen laufen in Deutschland tatsächlich die wenigsten als „natürlich“ beschriebenen Geburten ab. Einleitung, Wehen-Tropf, PDA … die ein oder andere unterstützende Maßnahme kommt relativ häufig zum Einsatz. Und doch gibt es sie, die Bilderbuchgeburten, wenn auch selten – und trotz eventueller Schmerzen und langer Wehen-Phasen sind sie laut der meisten Mütter wahrlich einzigartige, magische Erlebnisse, die es jeden Schmerz wert waren.

Geburten ohne Kaiserschnitt sind an sich „natürlich“, da du als werdende Mutter den Geburtsvorgang inklusive eventueller Schmerzen in vollem Umfang (oder zumindest bis zu einem gewissen Punkt – siehe PDA, Lachgas etc.) durchlebst. Grundsätzlich gilt: Eine natürliche Geburt muss nicht zwingendermaßen (unerträglich) schmerzhaft sein. Entsprechende und ausführliche Aufklärungs- und Geburtsvorbereitungsmaßnahmen (von Meditation über Atemübungen bis zu Hypnobirthing) können entscheidend zu einer entspannten, vertrauensvollen Geburt beitragen.

Bei der spontanen Geburt ermöglichst du deinem Kind – anders als beim Kaiserschnitt – auf jeden Fall etwas sehr Wichtiges: eine natürliche Vorbereitung auf den Übergang vom Mutterleib in die ungewohnte, helle, kalte Welt. Die Wehen sind für das Kind zwar auch anstrengend, aber ebenso sinnvoll. Nach durchschnittlich mehr als neun Monaten im Warmen nimmt dein Kind durch die Kontraktionen aktiv am Geburtsprozess teil und erlebt die Transition ins Außen stufenweise mit.

Kaiserschnitt oder Spontangeburt?

Was du auf jeden Fall bedenken solltest beim Abwägen der Geburtsoptionen, gerade, wenn deine größte Sorge den zu erwartenden Schmerzen bei der natürlichen Geburt gilt: Zwar hast du beim Kaiserschnitt keine Schmerzen während des Eingriffs (höchstens ein Druckgefühl/Bewusstsein von ruckeln/ziehen) – die Narbe, die durch den Schnitt entsteht, muss allerdings auch heilen und das kann je nach individuellem Schmerzempfinden und Wundheilung ganz schön schmerzhaft und langwierig sein bzw. sogar mit Komplikationen einhergehen. Also – beim Kaiserschnitt Schmerzen? Ja, zwar nicht währenddessen, dafür aber im Nachhinein.

Ein weiterer Aspekt zum Thema Kaiserschnitt: Experten vermuten, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Sectio als Geburtsform und dem kindlichen Immunsystem, sprich – man vermutet, dass Kaiserschnitt-Kinder durch die sterile Geburt evtl. zu einem schwächeren Immunsystem neigen. Die Scheiden-Bakterien der Mutter, mit denen ein Kind bei der natürlichen Geburt während der Zeit im Geburtskanal in Berührung kommt und die folglich dessen Immunsystem stärken, fehlen auf dem OP-Tisch natürlich; diverse Forscher sagen: ein eindeutiger Nachteil. Laut einer Mini-Studie der New York University könnte dem Immunsystem von Kaiserschnitt-Kindern aber möglicherweise durch das Abreiben des Neugeborenen mit zuvor gewonnenen Scheiden-Bakterien der Mutter auf die Sprünge geholfen werden – größere Studien laufen bereits, es bleibt spannend.

So oder so – beide Geburtsvarianten haben ihre Vorteile, die wir hier nochmals für dich zusammengetragen haben:

Pro Kaiserschnitt:

  • Nach Abwägung aller Risikofaktoren sicherer als die natürliche Geburt (im Falle von Komplikationen)
  • Planbarkeit des Termins (und somit jeglicher Organisation drum herum)
  • Mentale Entspanntheit (keine Angst vor Schmerzen oder Kraftverlust während der Geburt)
  • Vermeidung von Risiken/Komplikationen/Geburtsverletzungen, sowohl bei der Mutter (z. B. Dammriss/Dammschnitt) als auch beim Kind (z. B. Zange, Saugglocke, Steißlage, Nabelschnurverwicklung etc.)
  • Minimale Vorbereitung (Geburtsvorbereitungskurs, Atemtechniken bzw. informieren über versch. Phasen der Geburt etc. fällt weg)
  • Deine Vagina verändert sich nicht (Stichwort Empfindsamkeit)

Pro Spontangeburt:

  • Weibliche Urkraft: Weiblicher Körper hat grundsätzlich alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche natürliche Geburt (positives natürliches Geburtserlebnis gut für die Psyche)
  • Vorfreude genießen (Natürliche Ungewissheit – Termin nicht bekannt, Überraschungseffekt)
  • Ängste zerstreuen: Unsicherheiten und Vorbehalte (z. B. vor Schmerz) können durch ausführliche Geburtsvorbereitung und Aufklärung im Vorfeld minimiert werden (Hypnobirthing etc.)
  • Schockvermeidung: Wehen als natürliche Vorbereitungsphase für das Baby/Übergang Mutterleib – Außenwelt (Kaiserschnitt: plötzlich aus Wärme des Mutterleibs in kalte, helle Umwelt)
  • Vermeidung der (wenn auch seltenen) Verletzungsgefahr des Babys durch Kaiserschnitt
  • In der Regel schnellere Entlassung aus der Klink (falls nicht sowieso Hausgeburt)
  • Keine Wunde/Narbe über dem Schambein; meist gleich nach der Geburt „einsatzfähig“, dein Kind aufzunehmen/zu tragen, herumzulaufen
  • Nach Kaiserschnitt: Dauer der vollständigen Heilung ca. 6 Wochen – nachgeburtliche Schmerzen, anfängliche Einschränkungen beim Laufen/Bücken/Heben, Urinkatheter, evtl. Narben-Drainage, Entzündungen/Verwachsungen der Narbe etc.

Wichtig für dich im Entscheidungsprozess sind vor allem diese Gedanken:

  • Wäge die für dich individuellen Vor- und Nachteile eines Kaiserschnitts genau ab – es handelt sich trotz aller Routine und Sicherheit um eine OP, die auch Risiken birgt
  • Erkundige dich bei Arzt/Hebamme über die Möglichkeiten der Schmerzlinderung bei einer natürlichen Geburt
  • Lass von Frauenarzt/Hebamme die Chancen einer reibungslosen natürlichen Geburt für dich einschätzen (z. B. entsprechend deiner körperlichen Voraussetzungen)
  • Nicht vergessen: Kein Außenstehender hat zu entscheiden, ob du gewisse (eventuelle) Schmerzen aushalten „musst“, um als „vollwertige Frau“ zu gelten o. ä. – es sind dein Körper und dein Kind (Urteile von außen sind fehl am Platz)
  • Unterwirf dich keinem sozialen Druck, der dich in Richtung „natürliche Geburt“ oder zum „Kaiserschnitt“ drängt
  • So oder so: Trau dir was zu und befasse dich mit allen möglichen Optionen und Unsicherheiten