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Kindertagesstätte Zeitpunkt Kindererziehung Kindergarten Krippe

Kita – ab wann und warum gerade dann?

Manchmal schon vor der Geburt, manchmal auch erst mit den ersten Schritten – da taucht bei Eltern die Frage auf: „Ab wann kommt Junior in die Kita?“ Und … „Warum ist dieser oder jener Zeitpunkt der richtige oder falsche?“ Betreuungsmodelle in Deutschland gibt es viele, vom klassischen Familienverbund bis zur Ganztagskrippe. Aber was tut deinem Kind am besten – und wann?

Kita – der Begriff umfasst alle Einrichtungen wie Kindergarten, Kinderkrippe oder Schulhort. Allen gleich ist, dass hier Kinder außerhalb des Familienverbundes von professionellen Erzieher/innen stundenweise oder ganztägig betreut werden. In der Kinderkrippe geht es ab sechs Monaten los bis hin zum Betreuungsangebot für Grundschul- bis Mittelschulkinder bis zu sechs Jahren im (Schul-) Hort. Bei diversen Mischformen werden Kinder unterschiedlicher Altersgruppen unter einem Dach betreut.

Einige der Fragen, die du dir im Zusammenhang mit dem Thema vielleicht auch schon gestellt hast:

Die Sache mit dem Gesetz: Anspruch auf einen Kita-Platz – ab wann?

Das KitaG (Kindertagesstättengesetz) besagt, dass Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf Erziehung, Bildung, Betreuung und Versorgung in Kindertagesstätten haben. Die Mindestbetreuungszeit für Kinder im Alter bis zur Einschulung liegt bei sechs Stunden.

Ob Kinderkrippe mit 12 Monaten oder Kindergarten mit 3 Jahren, Gesetz hin oder her – welches Angebot dir für dein Kind ab welchem Alter ganz individuell passend erscheint, hängt sicher nicht von Paragrafen ab. Wo manche Kinder noch kaum laufen können und trotzdem schon freudestrahlend und tiefenentspannt durch die Krippe robben, sind andere aus verschiedensten Gründen erst Monate oder Jahre später reif für die Fremdbetreuung.

Warum kann ein früher Kita-Start Sinn machen?

Einige Psychologen und Eltern argumentieren ganz klar – je früher, desto besser! Gerade in Kleinfamilien mit zum Beispiel nur einem Kind fehlen schnell regelmäßige Berührungspunkte mit anderen Kindern, wenn das Thema Kita zu lange vom Tisch bleibt. Diverse Studien zeigen: Je früher ein Kind in eine Betreuungseinrichtung geht, desto eher findet Sozialisierung mit Gleichaltrigen statt – sehr viel besser zumindest als auf dem Spielplatz, beobachten zumindest immer mehr Eltern. Ein eindeutiges Plus. Auch der späteren schulischen Leistung tut ein früher Kita-Start gut. Durch die frühzeitige Interaktion mit anderen Kindern sowie die konkrete Stimulierung bestimmter Sinne stechen Kinder, die schon früh in die Kita gehen, in diversen Bereichen positiver hervor also solche, die erst nach dem dritten Geburtstag in den Kindergarten kommen (z. B. Auge-Hand-Koordination, Stärken beim Zählen, erhöhte Sprachkompetenz und Körperkoordination).

Wichtig bei einem frühen Kita-Start: Je kleiner das Kind, desto mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht es, also eine intensivere Betreuung – am besten in kleinen Gruppen (idealerweise 5 (bis 10) Kinder). Die Bedürfnisse von Kleinkindern unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von denen älterer Kinder. Jüngere Kinder benötigen noch mehr Schlaf und Ruhepausen, ein separater Schlafraum in der Betreuungseinrichtung ist ein Muss. Auch speziell für Kleinkinder geeignete Spielzeuge und Bücher sind wichtig. In der Gruppe deines Kindes sollten zudem noch mehrere andere Kinder im gleichen Alter sein. Unablässig: eine konstante Bezugsperson – Erzieher oder Erzieherin müssen während der gesamten täglichen Betreuungszeit anwesend sein. Wenn dein Kind noch sehr klein ist, sollte es am besten nur halbtags auswärts betreut werden und die restliche Zeit des Tages im gewohnten Familienumfeld verbringen. Und schließlich: Falls du dich zu einem frühen Kita-Start entschließt, gönne deinem Spross bewusst eine längere Eingewöhnungszeit (ca. 2-6 Wochen); nimm dir in dieser Übergansphase ausreichend Raum und Zeit mit deinem Kind. Schaff vor allem einen guten Ausgleich zwischen fremdbetreuter Kita-Zeit und der Zeit zu Hause als Familie.

Pro früher(er) Kita-Start:

  • Regelmäßiger Kontakt mit anderen Kindern/Sozialisierung mit Gleichaltrigen
  • Chance auf verbesserte spätere schulische Leistung
  • Erhöhte Stimulierung der Sinne (Auge-Hand-/Körper-Koordination, Zählen, Sprache)

Erst später in die Kita – der Vorteil der Langsamkeit

Trotz aller Argumente für einen frühen Kita-Start ist er definitiv nicht für alle Kinder das Non-Plus-Ultra. Manche Mütter sprechen sich bewusst gegen den Kita-Besuch aus. Ihr Argument: Die ersten Jahre mit dem Kind in vollen Zügen genießen wollen, Mama sein durch und durch, den ganzen Tag, jeden Tag, so lange wie möglich.

Einige entwicklungspsychologische Studien sprechen zudem von einem erkennbar höheren Stress-Level bei Kindern, die zu früh mit Kinderkrippe oder Kindergarten starten. Die Meinungen schwanken hier zwischen einem empfohlenen Mindestalter von 25 bis 36 Monaten, darunter sind auch einige, die den Grenzwert sogar noch deutlich höher ansetzen.

Eine durchgängige Begründung für einen nicht allzu frühen Eintritt in die Kita ist ohne Zweifel die entwicklungspsychologisch essenziell wichtige emotionale Bindung zur Mutter bzw. den Eltern – mindestens im ersten Lebensjahr, nach Meinung einiger Experten auch darüber hinaus. Wenn irgend möglich, betreue dein Kind also mindestens die ersten 12 Monate seines Lebens konstant zu Hause.

  • Wunsch der Mutter/Eltern, die frühkindliche Entwicklung rund um die Uhr mitzuerleben
  • Verringerter Stresspegel bei Kindern, die vor dem Kita-Start länger zu Hause betreut werden
  • Essenziell prägende emotionale Bindung zw. Kind und Mutter/Eltern in den ersten Lebensmonaten/-jahren

Gibt es ihn also, DEN idealen Zeitpunkt für den Kita-Start?

Klare Gründe, sich überhaupt für den Kita-Besuch zu entscheiden, gibt es scheinbar genug: von anderen Kindern lernen, also Verhaltensweisen und Fähigkeiten zu kopieren bzw. übernehmen. Außerdem: die Schulung sozialer Kompetenzen – streiten, sich vertragen, Streit schlichten, teilen, sich behaupten … die Liste ist lang. Auch der Punkt Gleichwertigkeit ist ganz wichtig: auf viele andere Kinder treffen, die eigenen Fähigkeiten mit denen der anderen vergleichen und erkennen, dass man mit seinen vermeintlichen Schwächen nicht alleine ist.

Und das konkrete empfohlene Alter für den Kita-Start? Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Einige Pädagogen und Psychologen vertreten die Auffassung, dass 12-14 Monate zu Hause ausreichen. Das Argument: Mit ein bis eineinhalb Jahren wird es dem Kind höchstwahrscheinlich sowieso zu langweilig daheim mit Mama oder Papa. Die Neugier auf andere Kinder wächst, der Drang zur Interaktion kommt immer mehr durch. Wichtig bei einem so frühen Einstiegsalter: konstante betreuende Bezugspersonen in der Kita und davon möglichst wenige auf einmal.

Andere Experten wiederum empfehlen den Start in die Kita mit zwei oder eher noch drei Jahren, einige tendieren sogar zu einem noch späteren Beginn. Der Grund: das Thema Ur- und Selbstvertrauen. Das Argument hier: Je länger ein Kind im sicheren familiären Umfeld verbleibt, desto stärker entwickeln sich Gefühle wie Sicherheit und auch Vertrauen – in sich selbst und in andere. Und die in der Kita so stark geförderten sozialen Kompetenzen? Können demnach auch sehr gut innerhalb der Familie ausgebildet werden.

So einfach es die Entscheidung für das „perfekte“ Einstiegsalter deines Kindes in den Kita-Alltag machen würde – eine klare Antwort gibt es auf die „Wann“-Frage nicht. Es liegt also an dir/den Eltern, am Kind selbst und ein Stück weit auch an den äußeren Umständen (Job/Karriere, Finanzen).
Je nach Kita bzw. der jeweiligen Ausrichtung und Gruppenzusammensetzung bedeutet die Entscheidung auf jeden Fall einen Unterschied in der individuellen Entwicklung des Kindes. Also erst mal abwägen und einschätzen, denn: Jedes Kind ist anders – ein Individuum, das sich nicht verallgemeinern lässt.

Stelle dir zunächst folgende Frage: Ist mein Kind reif für die Krippe bzw. den Kindergarten? Einige Kriterien zur Beantwortung:

  • Wille bzw. Lust, vor Ort in der Krippe/Kita zu sein
    • Test: stundenweise Eingewöhnung mit oder sanfte „Loslass-Gruppe“ ohne Mama, dabei Neugier sowie Spiel- und Interaktionsverhalten beobachten
  • Aushalten der Fülle an Reizen/Eindrücken, ohne eingeschüchtert oder gestresst zu wirken
    • Konzentration auf ein Spiel (ca. 15 Minuten)
    • Ausreichende Sprachkompetenz, um sich ansatzweise mitteilen zu können
  • Selbständigkeit (Richtung Kindergarten-Alter)
    • Kommunikation durch kurze Sätze (mind. drei Worte)
    • Ausreichende Sprachkompetenz, um sich ansatzweise mitteilen zu können
    • An- und Ausziehen ohne allzu große Hilfe (Ausnahme z. B. Schnürsenkel)
    • Erkennbares soziales Verhalten (Interesse am Spiel mit Gleichaltrigen)

Für einen generellen erfolgreichen Kita-Start gilt: Plane eine behutsame Eingewöhnungsphase (je nach Alter/Persönlichkeit: 1-6 Wochen) an die neue Alltagssituation ein, besonders, wenn dein Kind noch ganz klein ist. Geduld, Liebe, Sicherheit sind dabei ausschlaggebend.
Mögliche Alternativen zur Kita: Je nach Alter und Entwicklungsstufe deines Kindes gibt es einige Möglichkeiten, euren Alltag zu Hause aufzulockern und schon früh Kontakt mit anderen Kindern zu begünstigen, also die Sozialisierung und somit die gesamte Entwicklung positiv zu fördern:

  • Krabbelgruppen
  • Spielplatz-Besuche
  • „Playdate“ (Spieltreffen mit/bei anderen Kindern)
  • Mitgliedschaft im Sport- oder Musikverein

Im Grunde geht es vor allem darum, deinem Kind relativ früh in seiner Entwicklung gleichaltrige Anlaufstellen, also kindlichen Input von außen zu ermöglichen – denn dass eine ausgewogene Sozialisierung für Kinder wichtig und richtig ist, kann sicher niemand bestreiten. Also: Aufs Bauchgefühl hören, mit Partner, Familie, befreundeten Eltern oder Arzt austauschen und evtl. das Kind (wenn alt genug) selbst fragen, was es möchte. Dann ergibt sich die Entscheidung für den richtigen Zeitpunkt ganz von alleine.