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Brust geben Muttermilch Gesundheit Kind Baby

Richtig stillen will gelernt sein

Fast jede wünscht es herbei, doch nicht alle kriegen es hin … Stillen als entspannte, intuitive und vor allem erfolgreiche Art und Weise, sein Neugeborenes zu ernähren. „Die natürlichste Sache der Welt“ hin oder her – ganz so einfach und unproblematisch sieht die Realität oft leider nicht aus. Stillen funktioniert nicht immer von alleine und auch nicht immer völlig schmerzfrei. Du möchtest dich vorab über Wege zum „richtigen Stillen“ informieren bzw. suchst nach hilfreichen Tipps und Tricks, die dir bei deinem aktuellen Still-Problem helfen? Hier entlang bitte:

Die häufigsten Probleme beim Stillen

Gestillt wurde doch schon immer. Stillen ist die natürlichste Form der Ernährung für Babys durch ihre Mütter. Stillen liegt Frauen im Blut. Nun ja. So sehr an diesen Aussagen grundsätzlich was dran sein mag, so unterschiedlich und individuell sind dennoch die Voraussetzungen für erfolgreiches Stillen bzw. die Hürden, denen sich manche neuen Mütter gegenübersehen. Und seien wir mal ehrlich – auch in ganz früheren Zeiten gab es ganz sicher Fälle, in denen das mit dem Stillen nicht so ganz klappen wollte. Was viele nicht vermuten, weil doch immer wieder auf die „simple Natürlichkeit“ verwiesen wird – Stillen ist eine wahrlich komplexe Interaktion zwischen dir als Mutter und deinem Baby. Dabei ist das Ganze eine sehr sensible Angelegenheit, die schnell etlichen Störfaktoren ausgesetzt ist. Aber was genau sind die häufigsten Probleme beim Stillen und warum treten sie überhaupt auf?

  • Häufig sterile und hektische Krankenhausatmosphäre eher störend bis schädlich für eine entspannte Stillbindung zwischen dir und deinem Kind
  • Oft fehlen konkrete positive Vorbilder in Sachen Stillen sowie praktische und mentale Unterstützung
  • Medikamente (bestimmte Schmerzmittel, Narkotika) während der Geburt machen dein Kind schläfrig/benommen – Folge: z. T. beeinträchtigter Saugreflex bei deinem Baby und verzögerte Milchbildung bei dir
  • Falsches Anlegen, mögl. Folge: Baby trinkt nicht effektiv; Schmerzen beim Stillen, wunde Brustwarzen (richtiges Vorgehen muss gezeigt werden und geduldig geübt werden – konkrete, erfahrene Unterstützung ist ganz wichtig)
  • „Andocken“ wird erzwungen (Brustscheu vorbeugen durch Geduld)
  • Dein Baby spuckt, hat Blähungen, lehnt die Brust ab oder mag lieber die Flasche
  • Kaiserschnitt/Krankenhaus: Trennung von Mutter und Kind (Untersuchungen, Baby nachts auf Säuglingsstation etc.) verursachen diverse Stillprobleme, darunter …

… für dich als Mutter:

  • Störung intuitiver Milchspende-Reflex bzw. Suche der Brust von Kindesseite; häufige Folge: spannende Brüste/Milchstau/wunde Brustwarzen
  • Depression/Schwächung des Selbstvertrauens bzgl. Säuglingspflege

… für dein Kind:

  • Trennung bedeutet extremen Stress (Urinstinkt: Gefahr, Folge: Schreien)

Generelle Faktoren:

  • Stillen und Zufüttern (Milchproduktion ist vermutet zu gering) beeinträchtigt den Stillerfolg – Milchproduktion wird jedoch wegen weniger Bedarf erst recht nicht angeregt
  • Zu früh den Schnuller geben ist nachteilig für die Stilldauer (idealerweise erst nach 4 Wochen anfangen, evtl. gar nicht)
  • Zu häufiges Wiegen vor und nach dem Stillen, folglich evtl. Zufüttern (ruft bei dir möglicherweise ein indirektes Untergraben deiner Stillfähigkeit und Verunsicherung hervor)
  • Stillen nach Uhrzeit (unsinnig, da jede Brust unterschiedliche Kapazitäten hat)
  • Stillen und Alkohol vertragen sich auf gar keinen Fall – daher auf jeden Fall auch nach der Geburt bzw. während der gesamten Zeit, in der du stillst: Alkohol meiden!

Wie funktioniert „richtiges Stillen“?

Gut zu wissen: Dein Baby reguliert deine Milchproduktion vor allem durch die Häufigkeit, in der du es stillst. Besonders wichtig daher – „Stillen nach Bedarf“ … du kannst dein Kind jederzeit bedenkenlos anlegen. So passen sich Milchproduktion und Trinkbedürfnisse automatisch an. Um Milchstau zu vermeiden, ist häufiges Stillen sogar von Vorteil.

Direkt nach der Geburt solltest du dein Kind, wenn möglich, innerhalb von zwei Stunden erstmals anlegen, da zu diesem Zeitpunkt der Saugreflex so stark ausgeprägt ist, dass das Finden der Brust und das Nuckeln im Idealfall sehr intuitiv stattfinden.

Inzwischen haben sich vor allem drei „klassische“ Stillhaltungen etabliert – die Wiegenhaltung, die Football-Haltung und das Stillen im Liegen:

  • Die Wiegenhaltung ist wohl am bekanntesten, dabei sitzt du aufrecht, dein Baby im Arm haltend. Stütze dessen Rücken, sein Kopf liegt auf deinem Arm/in der Ellenbeuge. Ein Stillkissen hilft zusätzlich und macht es noch bequemer für euch beide. Durch den sogenannten C-Griff (zwei Finger in Scherenform um die Brustwarze) erleichterst du deinem Kind das „Andocken“ an die Brustwarze.
  • Bei der Football-Haltung (dein Baby liegt seitlich auf dem Rücken) zeigen die Füße deines Kindes an deiner Seite vorbei nach hinten (bei vorhandener Rückenlehne kann es sich dagegenstemmen); hierbei kannst du den Kopf des Babys ganz gezielt an deine Brust führen, das Anlegen wird leichter, auch hier durch ein Stillkissen (Haltung sinnvoll: nach Kaiserschnitt, bei Milcheinschuss/Vermeidung von Milchstau, für Frühchen/kranke Babys)
  • Stillen im Liegen ist vor allem dann für dich geeignet – sowie sehr bequem und einfach, wenn du schon etwas länger stillst und Routine hast beim Anlegen bzw. beim Stillen in der Nacht; hier liegt ihr Seite an Seite, du stützt dabei den Rücken deines Kindes (dein Oberarm, gerolltes Handtuch, Kissen), beide Brüste sind gut zu erreichen ohne Positionswechsel; ihr beide werdet vermutlich häufig schläfrig und döst auch mal weg (ganz normal) – dann ist es schön, wenn dein Baby einfach neben dir liegen bleiben und weiterschlafen kann. Achte hier auf eine sichere Schlafumgebung!

Es gibt tatsächlich noch etliche weitere Stillpositionen, zum Teil besonders gut geeignet für verschiedene Situationen:

  • Stillen im Liegen in Rückenlage (nach Kaiserschnitt), Hilfe durch Stillkissen
  • Zurückgelehntes Stillen (zur Vermeidung anfänglicher Stillprobleme), dein Baby liegt auf deinem Bauch, umfasst die Brust mit beiden Händen, hat die „aktive Führung“ (auch: Biological Nurturing/Laid-back-Nursing)
  • Stillen im Schaukelstuhl (gut zur Beruhigung deines Babys und zum Ausruhen für dich)
  • Stillen in Babytrage/Tragetuch (sehr enger Körperkontakt, praktisch für unterwegs), binde dein Baby dabei etwas höher als üblich/Brust weiter unten
  • Vierfüßler-Position (verstärkt den Milchfluss)
  • Hoppe-Reiter-Sitz (praktisch bei starkem Milchfluss oder Milchstau im unteren Brustbereich)
  • Modifizierte Wiegenhaltung – zusätzliches Abstützen der Brust von hinten im C-Griff (gut bei großen Brüsten, Anlegeproblemen, starkem Milcheinschuss, bei Frühchen/kranken Neugeborenen)

Grundsätzlich gibt es ein paar praktische Regeln, die eigentlich für alle Stillhaltungen zutreffen:

  • Ermögliche deinem Kind engen Körperkontakt zu dir – lege es Bauch an Bauch mit dir, so dass sich deine Brustwarze direkt vor seinem Mund befindet
  • Der Kopf deines Babys sollte nicht geneigt, gedreht oder überstreckt sein, sondern bequem und nah an der Brustwarze liegen (eine Linie von Ohr, Schulter und Hüfte)
  • Achte darauf, dass die Arme deines Kindes links und rechts von der „aktiven“ Brust liegen (an der gerade gesaugt wird)
  • Gut zu wissen: Zieh‘ dein Kind zu dir und deiner Brust, statt die Brust richtig Kind zu bewegen

Konkret bedeutet das für dich: Leg dein Kind bei den ersten Anzeichen von Hunger an (z. B. Unruhe, Hin- und Herdrehen des Kopfes, Saugbewegungen) und finde über die Zeit heraus, in welcher Position sowohl du als auch dein Kind sich am wohlsten fühlen. Probiert verschiedene Varianten aus und frage eventuell auch deine Hebamme um Rat bzw. lass dir von erfahrenen Freundinnen hilfreiche und praktische Tipps von Mutter zu Mutter geben.

Welche Hilfsmittel bzw. Unterstützung gibt es zum Stillen?

Nach Kaiserschnitt:

  • Trotz Trennung für Untersuchungen – möglichst schnell und oft anlegen und geduldig sein (Suchreflex animieren)
  • Inzwischen direkter längerer Körperkontakt für Mutter und Kind nach dem Kaiserschnitt immer öfter möglich
  • Kaiserschnitt nur im Notfall durchführen lassen, um besseres Stillen zu gewährleisten

Im Krankenhaus:

Wenn nachts sicherer gemeinsamer Schlaf gewährleistet ist, dies wahrnehmen für schnelles Anlegen bei Hunger und danach gemeinsames einschlafen

Externe Hilfsmittel, z. B.:

  • Stillkissen (bequeme Stillhilfe, stützt Position des Babys, in vielen Stillpositionen einsetzbar)
  • Milchpumpe (bei starkem Milchfluss bzw. zum Abfüllen und dann Füttern unterwegs)
  • Stilleinlagen (verhindert Auslaufen von Milch)
  • Brustpflege-Pads/Brusthütchen (gegen geschwollene Brüste und wunde bzw. gereizte Brustwarzen)
  • Still-Öl (fördert die Durchblutung des Brustgewebes, ätherische Öle regen den Milchfluss an)
  • Brustwarzensalbe (schon in der Schwangerschaft anwendbar)
  • Still-Tee (unterstützt die Milchbildung)

Generell:

  • Geduld beim Stillen insgesamt bzw. bei zu wenig Milch (Milcheinschuss dauert manchmal etwas länger); dein Baby sollte oft angelegt werden (10-12-mal täglich)
  • Auch das Thema Ernährung in der Stillzeit spielt eine Rolle – Stillen ist intensive körperliche Arbeit, für die du eine erhöhte Energiezufuhr benötigst (ca. 630 kcal Mehrbedarf). Ernähre dich daher ausgewogen und abwechslungsreich (ausreichend Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe)

Ganz wichtig für dich von Anfang an: Vertrau zunächst so vorbehaltlos und ohne jegliche Ängste und Unsicherheiten auf die ursprüngliche Natürlichkeit des Stillens, mach dir nicht zu viele Gedanken, sondern höre auf deine mütterliche Intuition beim Stillen. Stillen passiert nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Bauch. Gehe erst mal aus vom „best case possible“ und probiere von da aus Schritt für Schritt weiter, bis du und dein Kind zur für euch besten Stillposition und einem entspannten Rhythmus findet. Beides ist je nach Mutter-Kind-Gespann individuell verschieden.

Falls es aus körperlichen/medizinischen oder anderen Gründen für dich schwer ist zu stillen, gibt es immer noch die Möglichkeit einer professionellen Stillberatung. Sprich dazu vor allem deiner Hebamme oder deinen Frauenarzt an.