Twitter
Google plus
Facebook
Vimeo
Pinterest
schmerzfreie geburt yoga meditation klangschale babybauch

Schmerzfreie Geburt – von A wie Atmung bis Y wie Yoga

Eine völlig schmerzfreie Geburt – alles Hokuspokus oder Realität zum Greifen nah? Auch deine Gedanken schwirren jetzt während der Schwangerschaft vermutlich mal mehr, mal weniger um diese Frage sowie um das Thema Geburt an sich. Schmerzstillende Mittel, natürlicher Geburtsverlauf, entspannende Selbsthypnose? Welche Methoden eignen sich am besten und welche könnte die richtige sein für dich? Wir gehen den Dingen heute auf den Grund:

Die Schmerzfreie Geburt – Mythos oder Realität?

Wehen sind unangenehm. Da reden wir gar nicht drum herum. Fakt ist aber auch: Wie stark dein individuell gefühltes Empfinden bei der Geburt ist, kannst du ganz wesentlich selbst steuern. Aber eins nach dem anderen: Eine Wehe beschreibt die Kontraktionen der Gebärmutter, die sich beim Geburtsvorgang regelmäßig zusammenzieht. Das ist wichtig, damit sich der Muttermund immer weiter öffnen und du dein Kind nach draußen schieben kannst. Stell dir das Ganze also eher als eine Art äußerst sinnvoller und notwendiger „Muskelschmerzen“ vor.

Je mehr du über die Anatomie deines Beckenbodens weißt, desto besser kannst du bestimmte Vorgänge und Empfindungen einordnen, mit ihnen umgehen und sie sogar als hilfreiche „Werkzeuge“ nutzen. Und nicht vergessen: Die körperlichen Strapazen bei der Geburt sind zeitlich sehr begrenzt. Danach hältst du endlich dein Kind im Arm.

Der Schmerz als Mittel zum Zweck also – die Kontraktionen als konkrete Hilfe, deinem Kind den Weg ins Leben zu erleichtern. Und doch … es scheint sie zu geben, die (fast) schmerzfreie Geburt. Die Erfahrungsberichte häufen sich, in denen etliche Mütter schildern, dass sie geringe bis keine Schmerzen während der Geburt verspürten – aus den unterschiedlichsten Gründen. Ein seit langem viel genutztes Hilfsmittel: die Periduralanästhesie (PDA).

Die PDA – auf Nummer sicher?

Die PDA (Periduralanästhesie) macht die Geburt definitiv fast bis ganz schmerzfrei. Aber natürlich? Ist sie nicht. Bei der PDA handelt es sich um eine Lokal-Anästhesie, bei der zunächst die Haut am Rücken örtlich betäubt und dann eine Hohlnadel zwischen die Wirbel geschoben wird. Durch diese kann der Periduralkatheter gelegt werden, der nach dem Entfernen der Nadel dort verbleibt. Über den Katheder werden dann Medikamente zur Betäubung gespritzt.

Die Zwickmühle: Du bist war während der Geburt schmerzfrei und entspannt, es gibt aber auch diverse Nachteile der Methode. Was die PDA für den natürlichen Geburtsvorgang und das Baby selbst bedeutet, fällt neben dem Schlagwort „schmerzfrei“ oft unter den Tisch. Die Überzeugung vieler Hebammen: Wer großen Wert auf eine komplett natürliche Geburt legt, sollte die PDA außen vor lassen, sie sollte nur zum Einsatz kommen, wenn das Wohl von Mutter und/oder Baby gefährdet ist.

Trotzdem kann eine PDA in Einzelfällen wirklich helfen und unterstützen, manchmal ist sie sogar unumgänglich. Es gibt etliche Mütter, die auf einen langwierigen Geburtsprozess zurückblicken, auf viele Stunden ermüdender, schmerzhafter Wehen, auf lange Phasen, in denen eine Presswehe die nächste jagte und es dennoch nur minimal voranging. Da kann einem schon mal die Kraft ausgehen. Manche Frauen sind daher im Nachhinein froh, ihr Kindes mit Hilfe einer PDA auf die Welt gebracht zu haben … oder sie wünschen sich, zumindest die Option dazu gehabt zu haben.

Also: Bleib offen für alle möglichen Szenarien, lass dich vorab im Krankenhaus beraten und – vor allem, wenn du eine natürliche Geburt ohne Kaiserschnitt anstrebst – triff alle Vorbereitungen, damit dir die PDA als „letzter Joker“ den Weg dahin ebnen kann (im Vorfeld den PDA-Anamnesebogen unterschreiben). So bist du auf alle Eventualitäten vorbereitet. Am Ende ist die Entscheidung eine ganz persönliche und in jedem Fall zu respektieren.

Umdenken erwünscht – weg von der Sorge, hin zur Ruhe

Die Geburt eines Kindes – ein magischer Prozess, ein Geschenk voller Ursprünglichkeit. Eigentlich. Vor allem indigene Völker zelebrieren den Geburtsvorgang nach wie vor als natürliches, freudiges Wunder, werdende Mütter verlassen sich dort intuitiv auf die Kräfte ihrer Weiblichkeit, vertrauen ihrem Körper, lassen sich ein. Der Gynäkologe Grantly Dick-Read sprach in seinem 1933 veröffentlichten Buch „Die natürliche Geburt“ sogar vom Geburtsschmerz als einer reinen Zivilisationskrankheit, da indigene Völker schmerzhafte Geburten praktisch nicht kennen.

In unserem Kulturraum ist der Geburtsvorgang leider allzu häufig mit negativen Gedanken verbunden, darunter Ungewissheit, Angst vor Schmerz, vor allem aber … mangelndes Vertrauen in die ureigenen Kräfte des weiblichen Körpers. Die Folge: Wenn du dich bei der Geburt aus Angst vor den Wehen verkrampfst, gerät die Gebärmutter unter Spannung, das Beckengewebe verkrampft, die Gebärmutter wird schlechter durchblutet. Das Resultat: Mehr Schmerz – und verständlicherweise noch mehr Angst vor der nächsten Wehe. Der Ansatz: Aktive Entspannung während der Wehen. Dann haben Angst und Verkrampfung kaum eine Chance – das Schmerzempfinden verflüchtigt sich.

Keine Sorge – dich aktiv zu entspannen musst du nicht von vorneherein intuitiv aus dem FF abrufen können. Die Geburt ist und bleibt bei aller Natürlichkeit auch ein anstrengender und intensiver Prozess. Die bedeutsame Transformation vom Schwanger- zum Muttersein darf und soll ernst genommen werden. Ein entspanntes Umfeld und eine wohlbehütete Atmosphäre sind hier das A und O. Und mit den für dich passenden Methoden kannst du sowohl der Geburtsvorbereitung als auch der Geburt an sich selbstbewusst, ruhig, zentriert und voller Freude entgegenblicken.

Methoden für eine sanfte Geburtsvorbereitung und Geburt

Gut zu wissen – schon im Vorfeld kannst du viel tun, um dich aktiv und optimal auf die Geburt vorzubereiten und diese für dich so angenehm und sanft wie möglich zu gestalten. Denn – je weniger Stress für dich, desto entspannter wird die Geburt auch für dein Kind.

Während der Schwangerschaft:

  • Gezielte, sanfte Yoga- und Pilates-Übungen für Schwangere -> Becken öffnen, entspannen, bewusstes Loslassen lernen, Atmung als Bindeglied zwischen Körper, Geist und Seele
  • Regelmäßiges Meditieren und Atemübungen -> Ruhe, Sicherheit, Ausgeglichenheit finden
  • Akupunktur -> entspannend, Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden, geburtsvorbereitend
  • Aktives Auseinandersetzen mit dem „Muskelgefühl der Gebärmutter“ (statt „Schmerzen“) und den zu erwartenden „Wellen“ (statt „Wehen“)
  • Informieren über den Geburtsvorgang -> fördert Entspannung und Zuversicht bei der Geburt
  • Schon vorab eine vertrauensvolle, erfahrene Begleitung suchen (z. B. Hebamme)

Mach dir von Anfang an klar: Du kannst deinem Körper vertrauen, deiner Gabe als Frau, intuitiv Leben in die Welt zu bringen. Wenn du dich für eine natürliche Geburt ohne PDA entscheidest, gibt es etliche Optionen, diese so sanft und schmerzfrei wie möglich zu erleben.

Während des Geburtsvorgangs:

  • Aufrechte Geburtsposition, vornüber geneigt (stehen, sitzen, hocken, knien) -> Schmerz und Anspannung entgegenwirken
  • Ausprobieren und der Intuition folgen -> z. B. Geburt teilweise oder ganz im Wasser als sehr sanfte Option; spezielle Geburtsmöbel, seitliches Liegen
  • Gezielte Atmung -> Entspannung durch erhöhte Sauerstoffsättigung bei Mutter und Kind
  • Wechselnde Atem- und EntspannungstechnikenPositionswechsel, kalte und warme UmschlägeSitzball -> Unterstützung durch Partner/vertraute Person
  • Tipps von der Hebamme -> Abstützen, Becken lockern, beim Ausatmen „A“ formen etc.

Lachgas – alter Klassiker auf „neuen“ Wegen

Eine bereits seit mehr als 100 Jahren verwendete Methode für eine entspannte Geburt ist die Nutzung von Lachgas – historisch gesehen das älteste Narkosemittel. Im medizinischen Bereich wird Lachgas traditionell zur Schmerzlinderung eingesetzt. Das farblose, schmerzstillende und narkotisierende Gas gehört zu den Stickoxiden, Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Wirkungen erstmals nachgewiesen, ab Mitte des 19. Jh. wurde es – und wird es bis heute – auch bei Zahnbehandlungen eingesetzt.

In der Geburtshilfe sorgt Lachgas vor allem für ein angenehmes Gefühl der Dämpfung und Entspannung. Dabei wird es ausschließlich in einem 50:50-Verhältnis von Lachgas und Sauerstoff verabreicht. Neben der PDA und einigen anderen lokal eingesetzten Schmerzmitteln wurde vor allem auch für Lachgas eine Wirksamkeit im medizinischen Sinn nachgewiesen. Viele Frauen berichten von sehr positiven Erlebnissen damit während des Geburtsvorgangs. Das Schöne daran: praktisch keine Nebenwirkungen (evtl. Übelkeit) und die individuelle Dosierbarkeit. Dabei löst du das Schmerzmittel selbst – je nach deinem persönlichen Schmerzempfinden – vor dem Höhepunkt einer jeden Wehe per Knopfdruck aus (Einatmen über Mundstück/Atemmaske). Ein weiterer Vorteil: Lachgas ist auch dann noch einsetzbar, wenn der Zeitpunkt für eine PDA bereits überschritten ist.

Erkundige dich auf jeden Fall bei deiner Hebamme oder deinem Frauenarzt über diese Methode, die ohne medizinischen Eingriff eine sanfte und relativ schmerzarme Entbindung ermöglichen kann, bei der der natürliche Geburtsvorgang nicht beeinflusst wird. Dabei verschwinden die Wehen-Schmerzen zwar nicht komplett, aber die intensiven Spitzen werden deutlich abgemildert.

Eine ganz besondere Form der Geburtsvorbereitung bzw. Begleitung durch die Geburt ist das Hypnobirthing. Die Methode stammt aus den USA und wird dort bereits seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert. Auch bei uns wird sie immer beliebter. Der wesentliche Unterschied zu anderen Methoden: Neben Techniken zur Förderung von Ruhe, Wohlbefinden und Vertrauen ist auch ein Anteil Selbst-Hypnose enthalten. Dabei versetzt du dich selbst in eine Art Trance-Zustand, der dich spürbar entspannt und in dem du die Schmerzen der Geburt sehr viel schwächer wahrnimmst.
In einer Art Geburtsvorbereitungskurs erlernst du neben diversen Atemtechniken auch solche zur Tiefen- und progressiven Muskelentspannung. Auch Berührungsmassagen durch den Partner oder vertraute Personen sowie Visualisierungen stehen auf dem Programm. Das Bild einer sich langsam öffnenden Blüte, sobald dein Kind durch den Geburtskanal gleitet, ist eine der häufigsten und offenbar hilfreichsten Assoziationen.

Das Besondere am Hypnobirthing:

  • Weitestgehend schmerzfreie Geburt
  • Allgemein sehr schöne, positive und ganzheitliche Geburtserfahrung
  • Verkürzte Dauer des Geburtsvorgangs
  • Erlernte Strategien gegen die Schmerzen einsetzen, dabei Vertrauen und Zuversicht spüren
  • Negativ besetzte Wörter durch positive ersetzen (z. B. Welle statt Wehe)
  • Kaum oder keine chemischen Schmerzmittel nötig
  • Vertiefung der Beziehung zwischen Mutter, Vater und Kind
  • Kinder in Beckenlage können sich noch kurz vor der Geburt in die richtige Position drehen

Deutschlandweit werden inzwischen immer mehr Hypnobirthing-Kurse angeboten. Die Kosten variieren, ein Gruppenkurs kostet ca. 350-500 Euro (Einzelkurse teilweise möglich, etwas teurer). Falls du neugierig bist auf die Methode, plane den Kursbeginn auf jeden Fall ab der ca. 20. Schwangerschaftswoche und für das regelmäßige Üben zu Hause genug Zeit ein.

Tipp: Erkundige dich bei deiner Krankenkasse – vielleicht übernimmt diese sogar einen Teil der Kursgebühr.

Zum guten Schluss

Ganz wichtig im Hinblick auf dein bevorstehendes Wunder Geburt – die ausführliche Aufklärung (von außen und aktiv selbst) über den Geburtsprozess, darüber, was da genau passiert und warum. Werde dir darüber klar und verinnerliche, dass der Geburtsschmerz (falls er denn auftritt) sich wirklich lohnt, dass er einen Sinn hat, sogar befriedigend sein kann, im besten Fall auch dein Bewusstsein und deine Bewusstheit zum Leben nachhaltig verändern kann. Du darfst die Geburt deines Kindes als etwas ganz natürliches, Ursprüngliches erleben und annehmen, negativ besetzte Worte mit positiven ersetzen und vor allem – Sorgen und Unsicherheiten loslassen. Mit einer umfassenden Vorbereitung und vertrauensvoller Unterstützung an deiner Seite kann das Abenteuer Geburt einer der schönsten Momente deines Lebens werden – und das ab der ersten „Welle“.

Nachfolgend findest du nochmal die gängigsten Geburtsmethoden entsprechend der Empfindungen, die dabei oft angegeben werden. Beachte bitte: Deine subjektive Wahrnehmung von „Schmerz“ und wie viel Anstrengung du persönlich bei der Geburt wegsteckst, hängt immer von deinem individuellen Empfinden ab.

Geburtsmethode schmerzhaft ( ) - schmerzfrei ( )
Natürliche Geburt ohne "Hilfsmittel" bis
Natürlich mit „Hilfsmitteln“
(z. B. Lachgas, Geburtsmöbel, Wasserbecken, Positionswechsel)
Natürlich mit einer Technik wie z. B. Hypnobirthing
PDA
Kaiserschnitt
(Hier im Nachhinein Narbenschmerzen/ Wundheilung!)