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schwangerschaft arbeiten

Schwangerschaft beim Arbeitgeber verkünden: wie & wann?!

Große Freude, viele Fragezeichen – Schritt für Schritt zum (berufstätigen) Mutterglück

Jetzt ist es raus – endlich. Schwanger! Der Partner, die Oma, Onkel Hugo und die beste Kindergartenfreundin wissen es inzwischen und beglückwünschen um die Wette. Alles gedeiht prächtig, inklusive plötzlicher Müdigkeitsanfälle, ungeahnter kulinarischer Gelüste und der Bauch ploppt auch schon den einen oder anderen Zentimeter. Bald können alle es sehen … da wächst was ganz Besonderes. Ach ja … alle. Heißt auch – Kollegen und Vorgesetzte im Job. Da war doch was. Bescheid sagen. Rechtzeitig. Aber wann ist rechtzeitig? Gibt es da Regeln und Gesetze? Und der Mutterschutz? Fragen über Fragen, die wir hier knackig für dich auf den Punkt bringen. Dabei geht es um folgende Themen:

Der richtige Zeitpunkt
Offenheit und Fairness
Die Frage nach dem „Wie“
Schritt für Schritt zum Großen Gespräch
Gesetztesgrundlagen
Das Thema Kündigung
Verständnis und Besonnenheit auf beiden Seiten .

Eines schon vorab: Den Zeitpunkt, dem/n Vorgesetzten von deiner Schwangerschaft zu berichten, wählst du als werdende Mutter selbst! Laut Gesetz muss die Information nicht weitergegeben werden, die Mitteilungspflicht ist hier eine Soll-Vorschrift. Theorie hin oder her, Gründe für eine offene und faire Herangehensweise hinsichtlich des Themas Baby gegenüber dem Arbeitgeber gibt es trotzdem genug (dazu später mehr). Zuallererst – auf das Gespräch mit Chef oder Chefin einstimmen. Wir sagen, wie:

Vorbereitung ist alles: Den „richtigen“ Zeitpunkt wählen

Solange dein Bauch noch nicht sichtbar ist und du Deinen Arbeitsalltag ganz normal wuppen kannst, darfst du ruhig noch eine Weile warten … die ersten drei Monate problemlos. Danach wäre auf jeden Fall ein guter Zeitpunkt, um die Schwangerschaft zeitnah anzusprechen, zumindest vorab bei Chef oder Chefin. Bei den Kollegen kannst du dir noch etwas Zeit lassen.

Das Mutterschutzgesetz sieht in punkto Mitteilung zur Schwangerschaft vor: Diese sollte am besten zeitnah erfolgen, idealerweise, sobald du selbst Bescheid weißt über deine Schwangerschaft, spätestens aber, wenn du dadurch auffallend bei der Erledigung deiner Aufgaben beeinträchtigt wirst – oder bevor bei den Kollegen der „Flurfunk“ losgeht. dein wachsender Bauch und mögliche Übel-, Müdig- und Reizbarkeit fallen am Arbeitsplatz garantiert irgendwann auf. Und das ist ja auch gut so – in dir wächst schließlich neues Leben heran und das darf sich ruhig auch mal bemerkbar machen.

Noch ein Argument, Deinen Arbeitgeber über die Schwangerschaft zu informieren: Erfährt er nichts davon, verzichtest du als werdende Mutter auf besondere Regelungen des Mutterschutzgesetzes inkl. möglicher vom Arzt verordneter Beschäftigungsverbote zu deinem eigenen Schutz und dem deines Babys.

Fazit: Spätestens bei deutlichen äußeren Anzeichen deiner Umstände selbst aktiv werden und dem Arbeitgeber über die Schwangerschaft informieren (statt dies allzu eifrigen Mitarbeitern zu überlassen).

Wer, wie, was … wieso, weshalb, warum … wer direkt und ehrlich ist, gewinnt

Ein nachvollziehbares Argument, mit deiner Schwangerschaft nicht zu lange hinterm Berg zu halten: So bleibt ausreichend Zeit, um Ersatz für die Zeit deiner Abwesenheit zu suchen und die Übergabe deiner Aufgaben vorzubereiten – auf deiner und auf Chef-Seite (siehe auch unser Punkt Verständnis auf beiden Seiten ).

Ein weiterer plausibler Grund für eine zeitnahe Verkündung deiner Schwangerschaft: Falls bei dir demnächst eine Beförderung geplant war, ist der Arbeitgeber dankbar, wenn du ihm ausreichend Zeit für weitläufigere Umstrukturierungsmaßnahmen gibst – der verpasste Karrieresprung ist für dich zwar erst mal schade, aber das Unternehmen soll ja weiterlaufen und das möglichst erfolgreich. Auch sind die Chancen dann wesentlich größer, dass du beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit mit deiner Karriere gleich da anknüpfen kannst, wo du kürzlich pausiert hast. Also: Bleib fair, ehrlich und transparent und – ganz wichtig – halte die Zügel selbst in der Hand!

Die feine englische Art oder: Wie sage ich „es“ denen in der Chef-Etage?

Deine Schwangerschaft kannst du mündlich, schriftlich oder telefonisch mitteilen, wir empfehlen auf jeden Fall auch die Schriftform, denn nur dann greift auch der besondere Kündigungsschutz nach § 9 MuSchG für Schwangere. Bei den Chefs ist die Information aus mehreren Gründen wichtig, besonders aber bzgl. der Einplanung von Mutterschutz und Elternzeit. Das macht vor allem Sinn, falls du die drei Jahre Elternzeit voll ausschöpfen möchtest, dein Arbeitsplatz also absehbar über lange Zeit um- bzw. neu besetzt werden muss.

Schriftlich Bescheid geben hin oder her – ein persönliches Gespräch zwischen dir und deinem Arbeitgeber ist trotzdem ein feiner und sinnvoller Zug. So könnt Ihr eventuell aufkommende Fragen und Unklarheiten gleich im direkten Kontakt klären – eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Harmonie wird jetzt schließlich großgeschrieben, vor allem für dich und dein Baby.

Gut geplant ist halb gewonnen – Wegweiser für die Verkündung der frohen Botschaft

Ganz konkret bedeutet das … bereite dich vor dem Gespräch mit dem Chef/der Chefin gut vor, bring also bestenfalls schon konkrete Ideen dafür mit, wie eure Zusammenarbeit in den nächsten Monaten aussehen kann und liefere eventuell schon Vorschläge bzgl. einer reibungslosen Übergabe von Aufgaben an Kollegen und Nachfolger. Ein paar Gedanken über eine passende Vertretung sind sicher auch nicht falsch. Aber nicht zu enthusiastisch: Beim Thema Nachfolge entscheidet am Ende der/die Vorgesetzte, also hier keine Kompetenz-Grenzen überschreiten. Ganz wichtig auch: Kenne deine Rechte, denn am Arbeitsplatz gilt ein besonderer Schutz für Schwangere. Genaueres dazu siehe Leitfaden zum Mutterschutz.

Die Sache mit dem Gesetz – Dos and Don‘ts für Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Falle einer Schwangerschaft

Wie du bereits weißt, gilt für dich als Schwangere ein besonderer Arbeitsschutz. Hinsichtlich der Arbeitsbedingungen darfst du in der Schwangerschaft keine schweren körperlichen oder gefährlichen Arbeiten verrichten. Achte daher – in bestimmten Berufen – auf die potenzielle Gefahr der Ansteckung mit Krankheiten oder den Kontakt mit gesundheitsgefährdenden Stoffen (z. B. im Krankenhaus oder Labor). Informiere dich hier bitte vorab selbst über konkrete Risiken bzw. Gefahren an deinem Arbeitsplatz. Darüber hinaus muss dein Chef/Deine Chefin für dich als schwangere Mitarbeiterin Lärm, Hitze, Nässe, Zeitdruck und monotone Tätigkeiten vermeiden, auch ausreichende Pausen müssen eingeplant werden.

Und die Arbeitszeiten in der Schwangerschaft? Überstunden, Nachtarbeit (zw. 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens) sowie Sonn- und Feiertagsarbeit sind nicht zulässig. Während der Schwangerschaft heißt das für Dich: höchstens 8,5 h täglich bzw. nicht mehr als 90 Stunden in der Doppelwoche arbeiten. Gut so – erlaube dir und deinem Baby ausreichende Ruhephasen und Erholung. Generell gilt also: Als Schwangere solltest du am Arbeitsplatz – und natürlich auch sonst – nichts tun, was deinem Kind schadet.

Auch der Arbeitgeber hat einige Rechte in Bezug auf dich als schwangere Mitarbeiterin. So kann er beispielsweise ein Attest als Nachweis für die Schwangerschaft von dir verlangen – eine Bescheinigung durch die Hebamme reicht hier nicht aus. Falls dir dein Gynäkologe/Deine Gynäkologin z. B. aufgrund einer Risiko-Schwangerschaft oder einer drohenden Frühgeburt ein individuelles oder generelles Beschäftigungsverbot ausstellt, müssen deine Vorgesetzten dieses natürlich akzeptieren. In diesem Fall erhältst du eine Freistellung bei vollem Lohn – dein Chef/Deine Chefin kann allerdings auf einer Nachuntersuchung bestehen.

Schwanger und die Sache mit der Kündigung

Das Thema Kündigung in oder aufgrund von Schwangerschaft schwirrt dir als werdender Mutter vielleicht zu Anfang auch im Kopf herum. Erst mal Entwarnung, denn allgemein gilt: Während der Dauer der Schwangerschaft und bis vier Monate nach der Entbindung ist eine Kündigung unzulässig! Das betrifft auch die Probezeit und gilt sogar, falls du zum Einstellungszeitpunkt bereits von der Schwangerschaft wusstest, dies aber nicht erwähntest. Die Unzulässigkeit greift allerdings nur dann, wenn dein Arbeitgeber zum Zeitpunkt der Kündigung schon von deiner Schwangerschaft wusste oder rückwirkend bis spätestens zwei Wochen nach Erhalt der Kündigung davon erfährt.

Die Ausnahme: Eine Kündigung von Arbeitgeber-Seite ist rechtmäßig, so lange sie nicht im Zusammenhang mit der Schwangerschaft steht. Hier muss der Arbeitgeber jedoch noch vor Aussprache der Kündigung die Erlaubnis der obersten Landesbehörde für Arbeitsschutz einholen.

Ende gut, alles gut? Flexible Lösungsansätze und Verständnis auf beiden Seiten

Du hattest das Gespräch mit Chef/Chefin, die wissen also Bescheid. Jetzt bitte nicht wundern, falls die Reaktion „von oben“ eventuell nicht sehr euphorisch ausfiel. In der Chef-Etage geht es bei deiner guten Nachricht vermutlich gleich in den Admin-Modus: organisieren, planen, umstrukturieren. Umso mehr, falls du schon lange an Bord bist und eine tragende Rolle im Tagesgeschäft spielst. Da gehen mit deinem baldigen Weggang in den Mutterschutz – aus Chef-Perspektive– erst mal erstklassige Kompetenzen verloren, die nur schwer aufzufangen und zu ersetzen sind. Eigentlich ja auch ein tolles Kompliment für dich und deine Talente und eine Wertschätzung deines täglichen Einsatzes!

Da heißt es für beide Seiten ganz klar: Ruhe bewahren, offen und ehrlich an das Thema heranpirschen, immer auch die Seite des Gegenübers mit einbeziehen und gemeinsam konstruktive Ansätze für die Arbeitsplatzsituation in den kommenden Monaten austüfteln. An dieser Stelle auch gut zu wissen: Der Arbeitgeber erfährt keine finanzielle Mehrbelastung durch eine schwangere Mitarbeiterin – mit Beginn des Mutterschutzes kommt die Krankenkasse für das volle Gehalt auf. Na dann: Die vorerst letzten Monate im Job nochmal genießen, das eigene Pensum nach persönlichen Kräften abarbeiten und dann … volle Kraft voraus ins Mutterglück.