Twitter
Google plus
Facebook
Vimeo
Pinterest
gesundheit schwangerschaft zuckerkrank

Schwangerschaftsdiabetes – Wissenswertes von A bis Z

Eine völlig beschwerdefreie Schwangerschaft … der Traum einer jeden werdenden Mutter. Die einen haben Glück und erreichen den Geburtstermin ohne nennenswerte Vorkommnisse, andere schlagen sich mit allerlei Beschwerden herum. Zu den häufigsten schwangerschaftsbedingten Erkrankungen gehört der Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes, GDM oder Typ-4-Diabetes genannt. Vom allgemein bekannten Diabetes haben die meisten schon mal gehört oder kennen sogar einen Diabetiker. Um Zuckerunverträglichkeit geht es da, so viel ist klar. Aber woher kommt diese, warum bekommt man sie und weshalb gibt es für die Zeit während der Schwangerschaft eine gesonderte Bezeichnung dafür bzw. was ist hier anders? Wir geben dir einen Überblick über den Gestationsdiabetes und versorgen dich mit praktischen Tipps rund um dieses Thema.

Was ist Schwangerschaftsdiabetes und wo liegen die Ursachen?

Schwangerschaftsdiabetes ist eine Glucose-Toleranz- bzw. Kohlenhydrat-Stoffwechselstörung – d. h. der Zuckerstoffwechsel (die Fähigkeit, Zucker entsprechend zu verwerten) ist aus dem Gleichgewicht geraten. Wie der Name schon andeutet, tritt die Erkrankung während der Schwangerschaft zum ersten Mal auf bzw. wird dort erstmalig diagnostiziert. Ein Schwangerschaftsdiabetes liegt bei ca. 2 bis 14 Prozent aller Schwangeren vor, in den meisten Fällen zunächst unerkannt. Interessant: Falls du die Diagnose erhältst, könnte es auch sein, dass du evtl. schon vor der Schwangerschaft Diabetikerin warst, dies bis jetzt nur nicht erkannt worden war (z. B. weil du keine deutlichen Beschwerden hattest oder keine gezielten Tests durchgeführt wurden). In den meisten Fällen verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes nach der Geburt wieder, d. h. dein Zuckerstoffwechsel normalisiert sich.

Beim Schwangerschaftsdiabetes bzw. Gestationsdiabetes hast du einen erhöhten Blutzuckerspiegel, der Grund wird diversen Schwangerschaftshormonen zugeschrieben (z. B. Östrogen), die vor allem in der zweiten Schwangerschaftshälfte produziert werden. Der Knackpunkt: das körpereigene Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es steuert den Einbau von Glukose in die Körperzellen, bspw. in Leber, Muskulatur oder Fettgewebe. Insulin reguliert also die Menge an Zucker im Blut, aus dem dein Körper seine Energie bezieht und deaktiviert gleichermaßen überschüssigen Zucker, den du nicht brauchst bzw. nicht speichern kannst.

Die normale Wechselwirkung: Die Höhe deines Blutzuckerspiegels steuert die Insulin-Ausschüttung, das Insulin wiederum senkt die Blutzuckerkonzentration. Bei einem Schwangerschaftsdiabetes ist dein Körper nicht in der Lage, ausreichend Insulin zu produzieren, ergo: zu wenig Insulin = erhöhter Blutzuckerspiegel.

Allgemeine Ursachen für den Schwangerschaftsdiabetes gibt es mehrere, am häufigsten wird er bei Frauen diagnostiziert, die über 30 Jahre alt sind, bereits mehrere Fehlgeburten erlitten haben, Übergewicht oder eine erbliche Vorbelastung mit Diabetes mellitus haben oder deren eigenes Geburtsgewicht über 4000 g betrug. Auftreten kann die Erkrankung aber auch, wenn keine dieser Risikofaktoren auf dich zutreffen.

Eine Untersuchung bzw. ein Suchtest zur Diagnose sollte zwischen der 23. und 28. SSW durchgeführt werden (bei negativem Ergebnis: erneuter Test in 32. bis 34. SSW). Falls bei dir ein bekanntes erhöhtes Risiko für die Erkrankung besteht, kannst du den Suchtest auch schon im ersten Drittel deiner Schwangerschaft machen lassen (falls der Test hier negativ ist, trotzdem zw. 24. und 28. SSW wiederholen!).

Diagnostiziert wird der Gestationsdiabetes durch einen Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest/oGTT). Dabei nimmst du (nüchtern) eine zuckerhaltige Lösung zu dir, davor und innerhalb der folgenden zwei Stunden wird dir dann insgesamt dreimal Blut abgenommen. Für ein besonders aussagekräftiges Ergebnis solltest du in den Tagen vor dem Test möglichst kohlenhydratreich essen (das reizt die Bauchspeicheldrüse). Werden bei dem Test bestimmte Messwerte überschritten, lautet die Diagnose Gestationsdiabetes. Ab diesem Zeitpunkt heißt es für dich: strikte Stoffwechseleinstellung. Den Test musst du eventuell selbst zahlen – informiere dich dazu im Vorfeld direkt bei deiner Krankenlasse.

Wie äußert sich der Schwangerschaftsdiabetes?

Meistens wird der Schwangerschaftsdiabetes erst durch den Zuckerbelastungstest erkannt, da die Erkrankung (anders als bei anderen Diabetes-Formen) meist ohne deutliche oder erkennbare Symptome abläuft. Wo „normale“ Diabetiker oft starken Durst verspüren (Polydipsie) oder häufig Wasser lassen müssen (Polyurie), spürst du dies bei einem Diabetes in der Schwangerschaft eher seltener.

Auch wenn der Schwangerschaftsdiabetes meistens relativ symptomfrei verläuft, erleben einige Betroffene Auswirkungen wie starke Gewichtsabnahme, ungewöhnliche Müdigkeit/Konzentrationsschwäche, Schwindel, Sehstörungen, Scheideninfektionen sowie Harnwegs- und Nierenbeckeninfekte oder Bluthochdruck. Umso wichtiger ist es daher, den Test überhaupt zu machen und im Falle einer Diagnose deinen Blutzuckerwert regelmäßig zu kontrollieren und protokollieren.

Insulineinstellung und Ernährungsumstellung

Im Gegensatz zu anderen Diabetes-Formen betreffen die Auswirkungen des Schwangerschaftsdiabetes weniger dich als vor allem die Geburt und dein Baby. Wie du weißt, erhält dein Kind notwendige Nährstoffe über den Mutterkuchen und die Nabelschnur. Auf erhöhte Blutzuckerwerte bei dir reagiert dein Kind mit einer erhöhten Insulinproduktion; es baut außerdem den Zucker in Form von Fett in seinen eigenen Körper ein. Die Folge – dein Baby wird dicker und größer. Dazu kommt eine erhöhte Urin-Produktion und Fruchtwassermenge. Vor allem die abnorme Gewichtszunahme (Makrosomie) und die Zunahme der Fruchtwassermenge (Hydramnion) sind Risikofaktoren für eine Frühgeburt.

Um das zu vermeiden, sind zwei Dinge besonders wichtig bzw. unumgänglich: eine Ernährungsumstellung in Form einer fettarmen und ballaststoffreichen Diät und eventuell – falls das nicht ausreicht – eine zusätzliche Insulineinstellung. Wenn deine Zuckerwerte aufgrund eines Schwangerschaftsdiabetes nicht im normalen Bereich liegen, muss also zusätzlich nachgeholfen werden. Bei ca. 85 % der Betroffenen genügt bereits eine Anpassung der Ernährung, bei ca. 15 % bedarf es einer zusätzlichen Einstellung des Insulinwertes. Die täglichen Blutzuckermessungen kannst du auch selbstständig zu Hause – vor und nach den Hauptmahlzeiten – durchführen. Eine eventuell notwendige medikamentöse Therapie mit Insulin kannst du ebenfalls von zu Hause aus durchführen – dabei spritzt du dir (entsprechend der gemessenen Werte) selbst geringe Mengen an Insulin unter die Haut (subkutan), meist direkt vor den Mahlzeiten, evtl. auch nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen. Sollte eine zusätzliche Insulintherapie notwendig sein, erhältst du natürlich vorab eine umfassende Schulung, bei der du die genaue Vorgehens- und Behandlungsweise erlernst und dann entspannt und problemlos in deinen eigenen vier Wänden durchführen kannst.

Grundsätzlich in der Schwangerschaft, vor allem aber bei einem diagnostizierten Gestationsdiabetes, ist eine bewusste und vollwertige Ernährung wichtig. Mit Schwangerschaftsdiabetes gilt deine Aufmerksamkeit besonders den Mengen bzw. der Reduktion an fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln, die du zu dir nimmst. Ungefähr 40 % deines Kalorienverbrauchs sollte jetzt aus komplexen (schnell verdaulichen) Kohlenhydraten bestehen, so z. B. Reis, Pasta, Kartoffeln. Unser Tipp: Nimm mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu dir. Achte außerdem auf einen Fettanteil von weniger als 35 %, ungesättigte Fette sind dabei vorzuziehen. Der Eiweiß-Anteil deiner Ernährung sollte etwa 15 % betragen.

Eine relativ einfache Grundregel: Integriere vor allem Vollkornprodukte in deine Ernährung und verzichte im Wesentlichen auf zuckerhaltige Lebensmittel. Streiche also vor allem weißes Mehl und Fruchtsäfte oder stark Fruktose-haltige Obstsorten von deinem Speiseplan. So vermeidest du einen schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Vorsicht gilt dabei auch dem „versteckten“ Zucker. Obwohl z. B. Obst allgemein sehr gesund ist, enthalten einige Obstsorten besonders viel Fruktose (Fruchtzucker), was deinen Blutzuckerwert ungeahnt in die Höhe schießen lässt. So kann es schnell passieren, dass du beispielsweise bei einem entspannten Spaziergang durch die Weinberge unbedacht ein paar Trauben vom Weinstock naschst und im Nachhinein bei der Kontrolle deines Blutzuckerwertes erschreckt feststellst, dass der Messwert um ein zig-faches angestiegen ist. Eigentlich kein Wunder, denn Trauben enthalten sehr viel Fruktose. Da heißt es aufpassen und mitdenken, was kleine (vermeintlich völlig gesunde) Snacks und Naschereien angeht. Aber auch bei den Hauptmahlzeiten musst du auf Zack sein und genau darauf achten, welche Lebensmittel in welcher Menge verträglich für dich sind bzw. welche du vielleicht lieber ganz weglassen solltest. Ein zusätzlicher Tipp: Auch Sport tut dir jetzt gut – ca. 30 Minuten Bewegung am Tag (für Schwangere geeignete Sportarten) helfen zusätzlich, deinen Blutzuckerspiegel zu senken. Auch wichtig: viel trinken (am besten stilles Wasser oder ungesüßten Tee).

Mit der Diagnose Gestationsdiabetes kannst du auf jeden Fall sehr gut und im Idealfall mit nur geringer Beeinträchtigung leben. Besonders wichtig ist eine professionell betreute Diätberatung (z. B. von DiabetologIn oder DiätberaterIn). Auch deine Hebamme hat sicher hilfreiche und praktische Tipps in punkto Ernährung, so dass du dich insgesamt in deinen Essgewohnheiten kaum eingeschränkt fühlen musst. Wird ein erkannter Schwangerschaftsdiabetes erfolgreich und konsequent behandelt und kontrolliert, kommt dein Baby sehr wahrscheinlich völlig gesund zur Welt.