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Smartphone & Tablet: Ab wann gehören sie in Kinderhände?

Die digitale Revolution ist überall und sie hört sicher nicht bei unseren Kindern auf. Die Teenies im Park, Computerspiele zockend statt Frisbee werfend; die Erstklässler im Bus, vertieft in Handy-Displays statt ins Gespräch miteinander; die Kita-Stöpsel, die das Tablet schon besser bedienen können als mancher Mitt-Dreißiger. Der Fortschritt holt auch die noch sehr junge Generation mit immer größeren Schritten ein, das App-, PC- und TV-Angebot für die ganz Kleinen bis halb Großen steigt. Bleibt zu überlegen: Tut das gut? Und – wofür ist das gut? Die Frage, ob bzw. ab wann dein Kind reif ist für die Nutzung von Smartphone, Tablet und Co. steht bestimmt auch für dich bald an.

Nutzung von Smartphone und Tablet – warum überhaupt für Kinder?

Fernsehen, Radio, Kino, Kassetten, CDs … die Technik hat schon lange Einzug gehalten in die Kinderzimmer – von Lieder-CDs über Benjamin Blümchen und Bibi & Tina auf Kassette bis hin zu Disney-Filmen in der Nachmittagsvorstellung … so wuchsen wir früher auf und auch dein Kind hat vermutlich jetzt schon Berührungspunkte mit diesen oder moderneren Versionen solcher technischen bzw. digitalen Einflüsse. Relativ neu im Ring: Smartphone und Tablet.

Den spielerischen Umgang mit der neuesten Technik lernen heute bereits Kleinkinder mehr oder weniger nebenbei. Kein Wunder – die Eltern als omnipräsente Vorbilder, die selbst häufig das Handy in der Hand halten, damit telefonieren, fotografieren, Termine vereinbaren, Bestellungen aufgeben, Spiele spielen. Kein Wunder, dass Junior auch mal will. Nachmachen, mitmachen, weitermachen.

Da sagen die einen, man müsse doch mit der Zeit gehen, darf Kindern die allgegenwärtige Technik nicht vorenthalten, denn sie hat ja auch etwas Gutes. Auf Reisen zum Beispiel – in Auto, Bahn, Bus oder Flugzeug scheint z. B. das Tablet immer häufiger willkommener Retter aus der Langeweile zu sein. Mit Apps zum Malen und Spielen, zum Trickfilme schauen, zum Fotos angucken … ein kleines Wunderwerk der Technik ersetzt da schnell mal den großen Rucksack mit Bilderbüchern, Malutensilien und Kassettenrecorder. Auch im Restaurant, im Wartezimmer oder im Sommer im Park sind Smartphone und Co. bereits für die Kleinen schnell gezückte Helfer in Sachen Ablenkung und Beschäftigung.

Klingt eigentlich ganz gut, oder? Weniger Gepäck, mehr Abwechslung, einfache Beschäftigung, keine Langeweile. Und doch: Je mehr die digitalen Gadgets Einzug in die Kinderwelt halten, desto besorgter und lauter äußern sich manche Eltern und vor allem Experten zur Intensität bzw. Häufigkeit der Nutzung. Auch das immer weiter sinkende Einstiegsalter von Kindern beim Gebrauch von Smartphones und Tablets wird vermehrt zum Thema.

Smartphone und Co. – ab wann ist der Medienkonsum ok?

Die Kernfrage für viele Psychologen und weitere Experten lautet, wie viel Technik und Medienkonsum für Kinder sinnvoll und vor allem verkraftbar ist. Ein weiterführender Aspekt: Wenn digitale Medien, ab wann? Der US-Psychologe und Autor Jim Taylor, der ein Buch zur „Generation Tech“ schrieb, warnt besonders davor, Kindern sofort, wenn sie sich zu langweilen scheinen, ein Smartphone oder Tablet in die Hand zu drücken, um sie ruhig zustellen. Wo in konkreten Kontexten (Bsp. Schule) die Nutzung von Lern-Apps auch mal ganz sinnvoll erscheinen kann, bekommen Kinder in ihrer Freizeit laut Taylor vor allem eine Botschaft vermittelt: Wer quengelt, wird sofort durch neue Medien unterhalten. Erstrebenswerte und wichtige Eigenschaften wie Geduld oder sogar das Aushalten gelegentlicher Langeweile (und daraus vielleicht sogar auf kreative Weise etwas zu machen) werden dabei sofort übertüncht und in den Hintergrund geschoben. Wo frühere Generationen ganze Sommer im Strandbad, am Baggersee, auf dem Spielplatz und im Wald verbracht haben, die Winter im Hobbykeller oder beim Basteln, Bauen, Spielen im Kinderzimmer, wird heute ganz fix das Wunderwerk Technik hervorgezaubert. Fantasie und Ideen entwickeln, Austoben im Freien, Energie ablassen, kreativ und neugierig sein … hat das ausgedient?

Keine Frage – die Digitalisierung ist Fakt, Teil vieler alltäglicher Vorgänge und sie zu beherrschen oft nicht mehr erst in Studium oder Beruf wichtige Voraussetzung, um am Ball zu bleiben, sondern auch in der Schule oft schon fester Bestandteil des Lehrplans. Einige Eltern führen ihre Kinder deshalb schon sehr früh an Medien heran aus Sorge, der Anschluss könnte sonst verpasst werden. Dennoch wird auch immer klarer – bitte alles in Maßen. Wenn Kinder nicht mehr wissen, wie Erde aussieht, woher die Milch wirklich kommt und die zwar nicht Fahrrad fahren können, dafür aber schon kleine Experten am Smartphone sind … allerspätestens dann sollten Eltern aufhorchen.

Es gilt also abzuschätzen, ab wann – und wenn – wieviel Medienkonsum sinnvoll und tatsächlich hilfreich für Kinder ist aber auch, ab welchem Maß dieser sogar schädlich sein kann. In diversen Richtlinien für Eltern zum gesunden Umgang mit Medienkonsum von Kindern wird Folgendes geraten:

  • Bis zum 2. Lebensjahr: keine Berührung mit Smartphone, Tablet, Fernseher und Co. (keine digitalen Bildschirme)
  • Bis zum Grundschulalter: max. 30 Min. digitaler Konsum pro Tag
  • Ab 10 Jahren: max. 60 Min.
  • Ab 11 Jahren: max. 75 Min.

Bitte beachte, dass dies lediglich ungefähre Richtwerte sind, die so nicht in Stein gemeißelt und nicht auf jede individuelle Persönlichkeit bzw. familiäre Situation anwendbar sind – und daher auch von Medienpädagogen vorsichtig bewertet werden. Was mindestens genauso wichtig ist wie eine maßvolle Menge an Medienkonsum ist eben auch, was konsumiert wird und … mit deinem Kind über die gewünschten und angesehenen Inhalte zu sprechen. Auf altersgerechte Inhalte bei Apps, TV- und Filmprogrammen, Computerspielen und Internet-Seiten zu achten, ist zweifellos deine Aufgabe als Elternteil. Ängsten, Schlafstörungen oder Konzentrationsproblemen lässt sich schon durch die Vermeidung gewalttätiger Inhalte vorbeugen.

Genauso wichtig: aktiv am Ball bleiben, dein Kind in seinen täglichen Tätigkeiten aufmerksam begleiten und beobachten und auch eine große Portion Vertrauen einfließen lassen. Oft genug wollen Kinder trotz der scheinbar allgegenwärtigen Verfügbarkeit digitaler Einflüsse nach wie vor Zeit mit Freunden verbringen, draußen spielen und sich austoben. Falls dein Kind diese Balance überhaupt nicht von alleine findet, ist es ratsam, behutsam lenkend und erklärend einzugreifen.

Wichtig und richtig: Dein Kind soll auf jeden Fall ein gewisses Maß an Langeweile „lernen“. Diese dann wiederum in kreative Spielideen umwandeln? Bei der Suche nach sinnvoller und abwechslungsreicher Beschäftigung bist auch du in der Elternrolle als zusätzlicher aktiver Part gefragt. Wer mit Kindern in der Großstadt wohnt, kann diese oft nicht einfach vor die Tür zum Spielen schicken. Wald, Felder, Wiesen, Spielplätze und auch manche Freunde sind oft nicht in (sicherer) Laufdistanz. Ob draußen oder im Haus – es ist immer auch ein Stück weit deine Aufgabe, eine Umgebung für dein Kind zu schaffen, in dem es altersgerechte Beschäftigungsmöglichkeiten vorfindet.

Von „Playdates“ mit anderen Kindern über kreative Spiele, Bücher, Bastel- und Malutensilien im jüngeren Alter bis hin zu Freizeit- Musik- und Sportgruppen, Freunde treffen, hochwertige Jugendliteratur etc. für ältere Kinder bzw. Teenager. Kitzle heraus, welche Interessen und Talente dein Kind hat und versuche, die Zeit neben Kindergarten und Schule entsprechend zu gestalten. Das muss nicht immer Halligalli und high life bedeuten. Wenn aber im heimischen Bereich ausreichend Raum für abwechslungsreiche und stimulierende Freizeitgestaltung und Kreativität bleibt, ist der Wunsch nach TV, Videospielen, Whats App und Co. automatisch weniger präsent. Auch gemeinsame Unternehmungen mit dem Kind, wie z. B. Ausflüge, Bewegung, Familie und Freunde treffen, helfen da enorm.

Sinnvolle Smartphone-Anwendungen für Kinder

Laut vielfacher Experten-Meinungen benötigen Kinder im Grundschulalter noch kein Handy, erst recht keines mit Spiele-Apps, Whats App, unbegrenztem Guthaben etc. Eine durchaus sinnvolle Anwendung betrifft jedoch den immer präsenter und relevanter werdenden Aspekt der Sicherheit. Für dich eventuell sehr wichtig – die Erreichbarkeit zwischen dir und deinem Kind. So argumentieren inzwischen viele Eltern. Das Kind nur einen Anruf weit weg zu wissen, vermittelt Ruhe. Ein guter Mittelweg: ein Notfallhandy ohne technischen Spielerei-Schnickschnack, dafür mit Notfalltaste, GPS-Ortungssystem und von Elternseite eingespeicherten Anrufnummern. Einfach für den Fall der Fälle.

Spätestens ab der Zeit nach der Grundschule gehört das Handy dann für viele Kinder mittlerweile schon genauso zum Alltag wie der Schulranzen. Versetze dich beim Abwägen für oder gegen ein Handy in diesem Alter (neben allen erwachsenen Argumenten) auch in die Position deines Kindes. Was ist evtl. „schlimmer“ für den Sprössling: kein Handy und deshalb vielleicht schnell zum Außenseiter werden? Oder sich zwar dem allgemeinen Gruppenzwang beugen, aber dafür gemeinsam und offen über den Gebrauch des Smartphones sprechen und ganz einfach konkrete Regeln für eine sinnvolle Nutzung festlegen? Was nicht von vorneherein verboten ist, verliert im besten Fall sowieso über kurz oder lang seinen Anreiz.

Der technische Fortschritt kann auch beim Thema Reisen/Urlaub etwas Gutes haben. Wo früher tütenweise Hörspielkassetten, Bücher und Malutensilien mit in Auto, Zug oder Flieger geschleppt wurden, reicht heute ein einziges handliches Gadget, auf dem sich unkompliziert Hörbücher, Zeichentrickserien, Filme und Spiele tummeln, sie sich jederzeit und überall abrufen lassen. In Maßen und auf stressigen, langen Reisen kann das schon mal die allgemeine Stimmung und die elterlichen Nerven retten.

Aber nicht nur spielen und Faxen machen lässt sich prima mit Smartphone und Tablet. Auch Lernen geht ganz famos und das dann immerhin am „coolen“ Gerät und überall zwischendurch. Ob Kindergarten-Alter, Grundschul-Umfeld oder Teenie-Phase: Mittlerweile gibt es am Markt zahlreiche pädagogisch wertvolle Apps, Anwendungen und das sogar auf speziellen Tablets für Kinder aller Altersstufen.
Was die Sicherheit von Handys im Gebrauch durch Kinder angeht, gibt es heute bereits etliche Möglichkeiten für elterliche Kontrollfunktionen: kindgerechtes Design, Kurztasten-Optionen sowie Kostensperren für zahlungspflichtige App- und sonstige Käufe.

Fazit: Regeln festlegen hilft

Unser Fazit: Nimm dir auch als Elternteil ganz konkrete und offensichtliche Auszeiten vom eigenen Medienkonsum, zeige deinem Kind dadurch in Vorbildfunktion, dass sich nicht alles um Smartphone und Co. dreht. Fördere die Kreativität deines Nachwuchses fernab digitaler Einflüsse, so dass der Fokus nicht ständig auf der Technik liegt. Ganz wichtig: Finde einen guten Weg für Regeln rund um die Nutzung moderner Medien. Überlege (auch zusammen mit deinem Partner), was genau du in diesem Zusammenhang erlauben willst und was nicht. Für die erstellten Regeln (evtl. gut sichtbar auf einer Tafel) sollte es keine Ausnahmen geben. Halte auch für dich schriftlich fest, wie häufig dein Kind Medien nutzt und welche Inhalte dabei konsumiert werden (bessere Übersicht/Kontrollinstanz). Und schließlich: Behalte grundsätzlich einen Überblick über die verschiedenen digitalen Medien, mit denen dein Kind in Berührung kommt.