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Tipps für Papa – Wenn Männer Vater werden

Vom passiven Zuschauer zum aktiven Teilnehmer – Tipps und Einsichten rund ums Thema „Papa & Kind“

Er will unbedingt Papa werden, freut sich riesig aufs Kind, liest Bücher und geht fleißig mit zum Geburtsvorbereitungskurs … und trotzdem wird er nervöser und unsicherer, je näher es auf die Geburt zugeht. Keine Sorge, es ist völlig normal und auch gar kein Wunder, wenn deinem Partner im Hinblick auf die Geburt eures Kindes jetzt die Nerven flattern. Schon du als werdende Mama durchlebst ja teilweise die reinste Gefühlsachterbahn, schwankst zwischen gespannter Vorfreude und nervöser Unsicherheit. Aber alles gut – nicht nur für dich, sondern auch für den werdenen Papa gibt es genug Tipps für die erste Zeit mit Kind.

Vorher Partner, jetzt (werdender) Vater – neue Rollenfindung

Vor allem beim ersten Kind ist die Zeit vor, aber auch nach der Geburt für beide Elternteile eine große Herausforderung. Alles ist neu und ungewohnt, eine neue Alltagydynamik entsteht, täglich tauchen zig Fragen auf. Vor allem der konkrete Umgang mit einem Neugeborenen ist oft geradezu überwältigend – für die Mutter, besonders aber auch für den frischgebackenen Vater.

Wo wir Frauen uns zumindest noch zum Teil auf den natürlichen Mutterinstinkt stützen können und uns ab Beginn der Schwangerschaft ein unabstreitbares Band mit unserem Baby verbindet, haben es die Männer etwas schwerer mit dem Hineinfinden in die neue Vaterrolle.

Tipps zur Vorbereitung auf die Vaterrolle:

Kommunikation/ Gesprächsbereitschaft

  • Dein Partner sollte das Gefühl haben, alle Fragen und Unsicherheiten bzgl. der Schwangerschaft und Geburt offen vor dir ansprechen zu können
  • Bei spezifischen (z. B. anatomischen/medizinischen) Fragen gerne auch Hebamme oder Gynäkologen heranziehen

Offenheit/ Mut bzgl. Neuem

  • Berührungsängste gegenüber dem Unbekannten abbauen durch aktive Anteilnahme an der Schwangerschaft
  • Gemeinsam zum Geburtsvorbereitungskurs, zu Voruntersuchungen bei Arzt/Hebamme, Bücher zur Geburtsvorbereitung lesen (Tipp: gibt es auch speziell für Männer!)

Emotionale Bindung zum (ungeborenen) Kind entwickeln („Bonding“)

  • Schon in der Schwangerschaft mit dem wachsenden Bauch beschäftigen (z. B. Bauch überhaupt anfassen/streicheln, dem Baby im Bauch etwas erzählen/vorsingen)
  • Wissen anlesen über Entwicklungsstadien des Babys (Größe, Gewicht, Ausbildung der Extremitäten)
  • Das „Wunder Mensch“ schon während der Schwangerschaft greifbar machen, gemeinsam Ultraschallbilder ansehen sowie Bilder/Grafiken in Büchern
  • Sprecht über eure konkreten Gefühle bzgl. des Babys, malt euch künftige familiäre Situationen und Erlebnisse aus (Papa mit Kind auf dem Spielplatz, beim Sport, im Urlaub)

Konkretes Informieren über die Geburt

  • Egal, wie offen und entspannt ihr bisher (auch körperlich) miteinander wart – der Geburtsvorgang kann ganz schön aufrütteln/schlauchen, vor allem den Vater
  • Konkrete Infos für IHN zum Geburtsablauf, zur Physik dahinter
  • Gemeinsam überlegen, wie er sie während der Geburt unterstützen kann (Eiswürfel reichen, massieren, beruhigende Worte sagen, Hand halten, ablenken, zusammen atmen)
  • Gemeinsam abklären, inwiefern er wie in die Geburt selbst eingebunden werden will und „kann“ (es sich zutraut) – keine Scham hier, evtl. Unsicherheit/Zurückhaltung/ persönliche Grenzen bei ihm brauchen Raum bzw. dürfen da sein, wollen gesehen und respektiert werden

Nestbau – „Go with the flow“

  • Verstärkter Nestbautrieb bei vielen Frauen ab dem ca. 5 Schwangerschaftsmonat (wissenschaftlich erwiesen)
  • Ob er das nun nachvollziehen kann oder nicht – einfach mal auf die Welle aufspringen und mitmachen (Babyausstattung mit aussuchen, Kinderzimmer streichen, Möbel zusammenbauen etc.)
  • Wenn ihm handwerkliches Arbeiten/Design liegt, kann dies ein zusätzlicher Zugang für den Vater in spe zu seinem Kind sein (er „erschafft“ etwas für seinen Nachwuchs)

Tipps zur Bewältigung der neuen Lebenssituation mit Baby für IHN:

Arzt/ Hebamme zu Rate ziehen

  • Kind krank, Frau erschöpft, Mann ratlos – das muss nicht sein
  • Auch Väter dürfen sich jederzeit gerne an die Bezugshebamme oder den Gynäkologen wenden mit Fragen oder bei Unsicherheiten
  • Mögliche Alternative (in erster Instanz): Die eigene Mutter und/oder Schwiegermutter wissen oft mit altbewährten Tipps und Tricks zu helfen (Stressmomente, kleinere gesundheitliche Probleme beim Baby)

Vaterschafts-„Urlaub“ nehmen

  • Alles, was ab der Geburt entstresst, hilft – daher: versuchen, als Vater vor und nach dem errechneten Geburtstermin einige Tage/Wochen Urlaub zu bekommen
  • Stark als Team: Seid ihr beide anfänglich zu Hause, lässt sich die Umstellung leichter stemmen

Schlaflose Nächte

  • Sprecht schon vor der Geburt über den anstehenden Schlafmangel und Übermüdung, um nicht überrascht zu werden von der neuen Situation
  • Klärt im Voraus, ob und inwiefern dein Partner dir beim nächtlichen Füttern und Wickeln helfen kann (regelmäßig neu besprechen entsprechend der sich ändernden Alltagsdynamik)
  • Wenn du von Anfang an ausschließlich stillst, kann er v. a. nachts nicht viel tun; umso wichtiger ist dann, dass er so viel Ruhe und Verständnis wie möglich zeigt (nicht genervt oder aggressiv reagiert, wenn das Kind nachts häufig aufwacht/ schreit/Hunger hat)
  • Bei Flaschenfütterung: Wechselt euch – gerade nachts – ab, so gut es geht
  • Ist das Kind krank (Koliken, Fieber, Erkältung etc.) oder zahnt, wird es nachts noch häufiger als sonst aufwachen
  • In diesen Fällen kann der Vater eher helfen (aufstehen, Kind beruhigen) als vielleicht beim Füttern (Stillen)

Füttern, Wickeln, Anziehen

  • Entsprechend gemeinsamer Erziehungs-Vorstellungen den Vater so stark wie möglich in die täglichen Aufgaben einbinden/diese teilen, wann immer er zu Hause ist

Konkrete Aufgabenverteilung

  • Hilfreich: Konkrete, festgelegte Aufgaben geben seiner Vaterrolle Struktur und ein greifbares Gerüst (z. B. Kind baden/waschen, ins Bett bringen, Frühstück machen und/oder kochen)

Seinen Job in die Planung einbeziehen

  • Arbeitet er neben seiner Vaterrolle in Vollzeit (Hauptverdiener/ Familie ernähren), muss er versuchen abzuschätzen, wie viel Kraft er für welche Rolle aufbringen kann

Papa-Kind-Zeit etablieren

  • Wichtig fürs Kind: Übernimmt er regelmäßig bestimmte alltägliche Aufgaben, hilft das der engeren Bindung zum Vater (Kind weiß: „Das macht Papa“)
  • Konkrete gemeinsame „qualitiy time“ einplanen (Ausflüge, spielen, vorlesen etc.)

Wie er sie unterstützen kann & wie sie ihm helfen kann

Ganz klar – ein Baby bedeutet eine riesige Umstellung … von Paarbeziehung auf Familienverbund, von jetzt auf nachher, für beide neuen Elternteile. Wie schon vor der Schwangerschaft und Geburt eures Kindes gilt auch jetzt: Teamwork ist angesagt! Auch, wenn der Nachwuchs in den ersten Monaten vor allem dich als Mutter baucht, kann dein Partner definitiv aktiv teilhaben an dieser Phase.

So kannst du ihn unterstützen und ihm in die neue Vaterrolle hineinhelfen:

  • Zulassen: Bezieh den Vater deines Kindes in viele kleine und große Momente rund ums Baby mit ein (Wickeln, Anziehen, Schmusen, spazieren gehen etc.).
  • Kontrolle abgeben: Kommuniziere ganz klar, wobei du Hilfe brauchst und seine Unterstützung brauchst und lass dir auch wirklich helfen.
  • Hilfe holen: Nein, er muss nicht vom ersten Tag an alles alleine machen – holt euch Unterstütung von den Großeltern oder von Freunden, vor allem in den ersten Wochen mit Kind (z. B. Einkaufen, Kochen, Putzen/Waschen, Fahrten zu Arztterminen etc.).
  • Freiraum: Ja, er soll mithelfen und alles im Griff haben. Aber selbst Superman braucht ab und zu eine Pause – gönn deinem Partner Momente zum durchschnaufen, ganz für sich (oder mit Kollegen/Freunden zum Abschalten und Auftanken).

So kann er dich entlasten und unterstützen (v. a. direkt nach der Geburt):

  • Klare Ansagen: Erkläre ihm liebevoll und deutlich, falls dich etwas im Alltag überfordert und wobei du dir Hilfe wünschst.
  • Einfach anpacken: Er muss mit wachsamem Blick durch Haus/Wohnung gehen und bei Alltagsarbeiten aktiv mithelfen bzw. diese übernehmen (Haushalt, Unterlagen, Orga, Einkäufe etc.).
  • Auszeit vom Job: Wenn er kann, soll er sich einige Zeit freinehmen von seinem Job – zu zweit zu Hause fällt der Start ins Elterndasein sehr viel leichter .
  • Geduld, Geduld, Geduld: Eine traumatische Geburt, Hormon-Tango, Schlafentzug … frischgebackene Mütter leisten Unfassbares – und sind dementsprechend erschöpft und gestresst -> Verständnis und Empathie gegenüber der Partnerin hilft jetzt oft mehr als Wäsche waschen.
  • Entspannungs-Inseln: Wann immer das Neugeborene und seine Arbeit es zulassen – auch der Partnerin kleine Auszeiten ermöglichen (z. B. Massage, Spa, Sauna, Freundinnen treffen, ausschlafen); dies ist genauso essenziell wie sich als neuer Vater selbst hier und da rauszuschrauben.

Wie schon in der Schwangerschaft gilt übrigens auch jetzt für deinen Partner: Immer ruhig Blut, was die (meist hormonbedingten) Stimmungsschwankungen der Liebsten (also deine) angeht. Die können nämlich auch noch nach der Geburt auftreten und sind dann – genauso wie davor auch – keinesfalls gegen ihn persönlich gerichtet. Hormone eben.

Wenn du allerdings den Eindruck hast, dauerhaft in sehr negativen, „schweren“ Gedanken und Gefühlen festzuhängen und vielleicht sogar Schwierigkeiten hast, eine liebevolle, enge Bindung zu deinem Kind aufzubauen … könnte das auch ein Anzeichen für eine postnatale Depression sein. Auch Männer sollten sich – am besten schon vor der Geburt – mit diesem Thema befassen. Sobald man(n) weiß, welche Warnsignale es hier gibt, kann er viel schneller und passender reagieren und unterstützen und den Gemütszustand seiner Partnerin vor allem auch für sich selbst besser einordnen. In diesem Fall hilft es beiden Partnern überhaupt nicht (im Gegenteil), wenn eine mögliche depressive Verstimmung flapsig abgetan und nicht ernstgenommen wird.

Bei allem neuen „Ernst des Lebens“, der euch als frischgebackene Eltern mit der Geburt eures Kindes erwartet, bitte dennoch eines nicht vergessen: die Freude, die euer Kind trotz aller schlaflosen Nächte in euer Leben bringt. Es wird viel zu schmunzeln, prusten und lachen geben, viele Küsse, Umarmungen, gemeinsame Fotos sowie unzählige unvergessliche und herzerwärmende Momente. Eltern werden und sein – am Ende des Tages braucht es dazu vor allem zwei Zutaten: Geduld und Liebe. Learing by doing eben.