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Baby Töpfchen-Training trocken werden

Der Meilenstein „trocken werden“ – Töpfchen ade

Die Frage ist – vermutlich – so alt wie die Menschheit selbst: Wann wird mein Kind trocken? Wo man es in der Urzeit einfach hat laufen und fallen lassen, geht es im Zeitalter örtlich festgelegter Örtchen, der Erfindung der Windel und etablierten gesellschaftlichen Regeln deutlich strukturierter zu. Keine Frage – ab dem trocken werden ist jedem klar ist, wo die Verrichtung des Bedürfnisses stattfindet. Babys und Kleinkindern hingegen fehlt die bewusste Wahrnehmung für das „dringend mal müssen“ noch. Oder anders formuliert: Da kommt die Notwendigkeit einfach noch nicht durch, dafür an einem konkreten Ort zu gehen. Doch wie „schafft man“ es, dass das Kind irgendwann die Windel satthat und von alleine aufs Klo geht? Welcher Ansatz ist der „beste“? Und was ist mit dem Töpfchen-Training?

Wann werden Kinder „normalerweise“ trocken?

Ein interessanter Fakt zuerst: Beim trocken werden spielt es scheinbar tatsächlich eine Rolle, ob du einen Jungen oder ein Mädchen hast – zumindest im Durchschnitt … und in der Theorie. So heißt es, Jungen werden durchschnittlich etwas später trocken als Mädchen. Und doch: Schlussendlich hängt der Zeitpunkt wahrscheinlich weniger vom Geschlecht als von der ganz individuellen Entwicklungsstufe deines Nachwuchses ab – und da gibt es beim Thema trocken werden kein richtig oder falsch, zu früh oder zu spät. So wenden sich manche Kinder bereits mit eineinhalb Jahren von der Windel ab, während andere erst mit vier Jahren genug davon haben. Es gibt sogar Babys, die schon mit wenigen Monaten ganz intuitiv von sich aus nicht mehr in die Windel machen (wollen).

Durchschnittswerte nennen meist ein Alter zwischen 3 und 5 Jahren fürs trocken werden bei Kindern. Das ist eine ziemlich weite Zeitspanne, sie sollte dir höchstens als sehr grober Anhaltspunkt dienen, denn: Jedes Kind ist absolut einmalig und kann in seinen persönlichen Entwicklungsstufen in vielerlei Hinsicht abweichen von anderen Kindern.

Töpfchen-Training – Top oder Flop?

Das Wort sagt es schon: Training. Also üben, Anstrengung, Disziplin, Durchhaltevermögen, Fokus. Nicht alle Experten – und Mütter – finden, dass der richtige Weg zum trocken werden über ein aktiv geleitetes, zeitlich fokussiertes Training geht. Wie so oft im Bereich Erziehung unterscheiden sich die Herangehensweisen auch beim Thema sauber werden, die Meinungen gehen auseinander. Bewusstes Üben und aktives Heranführen an Töpfchen und Toilette oder intuitives Abwarten und – des Öfteren – einfach laufen lassen?

1. Bewusstes, geplantes Töpfchen-Training

Ein häufiges Argument fürs Töpfchen-Training: Dein Kind kommt bald in den Kindergarten, mehr Selbstständigkeit ist gefragt und natürlich ist die Zeit in der Betreuung irgendwie entspannter – für Kind und Betreuer, wenn die Windel bereits passé ist. Klar, einfacher und praktischer ist es allemal, wenn dein Kind zum Kindergarten-Start trocken ist. Welche Mutter möchte einer anderen da schon hineingrätschen in deren Überzeugungen oder kann erahnen, welche Herangehensweise dem jeweiligen Familienalltag hilft, guttut oder Eltern und Kind in welchem Maß (über)fordert. Falls du pro Töpfchen-Training bist, gibt es zumindest einige Anregungen, wie ihr euch dem Thema achtsam und behutsam nähern könnt.

Gut zu wissen: Egal, ob du früher oder später mit bewusstem Töpfchen-Training anfängst, bei beiden Varianten wird dein Kind am Ende zur gleichen Zeit trocken, da diese Entwicklung nicht vom Alter, sondern der individuellen Reife abhängt. Stress dich – und dein Kind – also nicht mit einem bestimmten Zeitpunkt, den Medien oder Publikationen möglicherweise anpreisen oder empfehlen. Falls dein Kind deine aktiven Bemühungen und Hilfestellungen in punkto Töpfchen-Training partout nicht annimmt, ist noch lange nichts verloren – es bedeutet vermutlich nichts anderes, als dass dein Nachwuchs noch nicht will bzw. sein Nervensystem zur bewussten Kontrolle der Harnblase einfach noch eine Weile braucht.

2. Der Natur ihren Lauf lassen

Einfach mal loslassen, auf die Zeit vertrauen, vor allem aber: auf dein Kind! Einige Experten sagen, dass Töpfchen-Training – wenn überhaupt – erst ab ca. zweieinhalb Jahren beginnen soll, sobald dein Kind so selbstständig ist, dass es z. B. auch Treppen steigen kann. Der Grund: Diese Entwicklungsstufe signalisiert u. a., dass dein Nachwuchs seine Schließmuskeln wahrnehmen und folglich auch kontrollieren kann. Ein signifikanter Schritt im Entwicklungsprozess also, der erste Töpfchen-Versuche sehr viel natürlicher und erfolgreicher scheinen lässt.

Das Alter deines Kindes spielt trotzdem eine sehr untergeordnete Rolle beim trocken werden. Der wirkliche Durchbruch findet meist statt, wenn bewusstes Beobachten und dann auch Nachahmen passiert – in diesem Fall ganz konkret beim auf die Toilette gehen. Sobald dein Kind seine Geschwister und/oder Eltern hierbei wahrnimmt, ist die Bereitschaft zum selbst probieren sehr viel größer. Das kindliche Gehirn kombiniert dann sehr viel klarer das Bedürfnis, auf die Toilette zu gehen … und dies tatsächlich auf der Toilette statt in der Windel.

Tipps/ Anregungen für beide Herangehensweisen:

  • Thema positiv besetzen – auf keinen Fall deinem Kind gegenüber das „in die Windel machen“ als etwas Störendes/“Schmutziges“ darstellen; wenn dein Kind das Gefühl bekommt, auf die Toilette zu gehen ist negativ besetzt, wird es vermutlich eher verschämt sein, wenn es muss und dies für sich behalten
  • Nachahmung – ein Vorgang, durch den Kinder v. a. in den ersten Lebensjahren viel lernen (können), auch den Gang zur Toilette. Also: vormachen und Junior immer wieder zuschauen lassen (reicht beim Pippi machen, die Assoziation ist dann da)
  • Keine Erwartungshaltung – entspannt bleiben und beim Kind keinen Druck aufbauen; lieber bewusst positiv reagieren, wenn es mal geklappt hat mit Töpfchen oder Toilette, aber nie tadeln oder Enttäuschung zeigen, wenn es danebengeht
  • Keine Belohnungen – diese bauen zusätzlich Druck auf/erzeugen Enttäuschung beim Kind, falls es das vorgegebene „Ziel“ nicht erreicht (wirkt wie eine Strafe/Erwartung nicht erfüllt); auch entsteht der Eindruck, dass du deinem Kind ohne Belohnung nicht genug zutraust/es das Lernziel nur durch äußere Motivation erreicht

Wirklich „falsch“ ist keine der beiden Varianten, du solltest dir allerdings überlegen, was sich ganz individuell für dein Kind am besten anfühlt und zu passen scheint. Hier wird ein ganz wichtiger Kernpunkt der Töpfchen-Diskussion präsent: Beim trocken werden ist nicht ausschlaggebend, welche Methode dir am besten „gefällt“ bzw. dich am wenigsten stresst, sondern welche Herangehensweise sich für dein Kind am natürlichsten anfühlt und am besten zu seiner Entwicklung passt.

Der sanfte Weg zum sauber werden

Das erste Rollen von Bauch auf Rücken, das erste Köpfchen heben, selbst sitzen, das Zahnen und das erste Wort – bei so vielen Entwicklungsschritten unserer Kinder verlassen wir uns völlig selbstverständlich auf den Lauf der Natur, drängeln nicht, sondern warten geduldig und voller Verständnis darauf, dass das Kleine „schon machen wird“ bzw. der Körper sich in genau dem Tempo entwickelt und verändert, das er braucht – von ganz allein. Warum fällt das trocken werden dabei so aus dem Rahmen? Der Knackpunkt: Kein fester Zeitplan, beständiges Üben oder ein Belohnungssystem, sondern die physische und emotionale Reife deines Kindes bestimmen – wenn man es zulässt und Raum dafür lässt – ganz natürlich und von alleine über den „richtigen“ Zeitpunkt zum trocken werden bzw. den Übergang von Windel oder Töpfchen zur Toilette.

Sanfte und natürliche Herangehensweisen:

  • Aufmerksam sein – achte auf erste konkrete Signale bei deinem Kind wie unruhig werden, in Richtung Toilette laufen, die Hose runterziehen, sich an die Windel fassen und „Pippi“ sagen
  • Übergangsphase erleichtern – Töpfchen schnell greifbar und fürs Kind erreichbar bereitstellen; Familiensitz auf Toilette installieren (kleinere Öffnung fürs Kind), Hocker dazu zum hochklettern/Füße abstellen; für unterwegs mobiles Töpfchen mitnehmen
  • Entwicklungsphasen konkret wahrnehmen, z. B.: Dein Kind …
    • … setzt sich selbstständig auf Töpfchen oder Toilette
    • … kommuniziert verbal, dass es mal muss
    • … verzieht das Gesicht/wird unruhig, sobald es muss
    • … will keine Windel mehr tragen
    • … signalisiert dir sofort, wenn die Windel voll ist
    • … hat über mehrere Stunden eine trockene Windel
    • … will dich bewusst auf die Toilette begleiten

Fazit: Der Drops wird gelutscht sein, die Windel wird fallen – genau dann, wenn dein Kind soweit ist. Wann es die vollständige Kontrolle über das Wasserlassen erreicht, solltest du daher nicht an einem konkreten Alter festmachen oder deinen Nachwuchs angestrengt mit anderen Kindern vergleichen. Und bis es wirklich soweit ist … Geduld haben, entspannt bleiben, genug Wechselklamotten, Windeln und feuchte Tücher dabei haben/parat halten … und der Natur ihren Lauf lassen.